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33 Ergebnisse gefunden mit einer leeren Suche

  • Urlaub 🤗

    Liebe Leserin, lieber Leser Ich mache gerade Urlaub auf meiner geliebten Insel... lasse mir den Wind um die Nase wehen, atme die salzige Luft, höre den Schreien der Möwen zu und genieße die ersten warmen Sonnenstrahlen im März, die mittlerweile auch Amrum gefunden haben. Sandige Dünen so weit das Auge reicht, dahinter die See. Pastellfarben in Grau, Blau, Beige und Braun, die ineinander übergehen... eine unbeschreibliche Weite, einfach nur schön. Hier fühle ich mich frei... hier will ich SEIN ❤️ Und wenn die Hände und der ganze Körper nach einem langen Spaziergang so richtig durchgefroren sind, dann tut die "Tote Tante" wahre Wunder... ☺️ Nächsten Donnerstag gibt es wieder einen neuen Blog. Es wird blutig, so viel kann ich an dieser Stelle schon einmal verraten. Ich freue mich darauf 🤗 Bis dahin eine gute Zeit...

  • Von widerspenstigen Salatblättern

    Liebe Leserin, lieber Leser Ich oute mich heute und hier, als eine schusselige Person. Vielleicht ist das aber auch nur der natürliche Ausgleich zu meiner, sonst so geordneten und strukturierten Persönlichkeit oder anders ausgedrückt, dem Hang zur Perfektion. Immer wieder passieren mir unvorhergesehene, nicht geplante Dinge - Ich verschütte etwas, lasse Gläser fallen oder bringe mich ansonsten in irgendwelche peinlichen Situationen. Heute möchte ich Euch von solch einer Tragödie beim Essengehen erzählen. Heute Abend habe ich ein Date! Zufrieden mit der Person, die mir aus dem Spiegel entgegenblickt, verlasse ich kurz darauf unsere kleine Wohnung. Die zwei Kilometer bis zum Restaurant laufe ich zu Fuß. Aufmerksam schaue ich mich nach Betreten des gemütlichen Lokals um und entdecke zwischen all den Gästen und Kellnern mein Date an einem Zweier-Tisch sitzen. Lächelnd und unauffällig winkend, steuere ich darauf zu. Ein paar Küsschen links, Küsschen rechts und einem netten Kompliment später bestellen wir bei der freundlichen Bedienung unser Essen. Ich entscheide mich für eine Pizza und damit auch meiner Gesundheit Genüge getan wird, einem frischen Salat dazu. Die Vorspeise kommt und ich widme mich mit großem Appetit dem, mit viel frischen Kräutern zubereiteten, in einer Glasschüssel befindlichen, Grünzeug zu. „Das Salatdressing ist ganz wunderbar!“, betone ich mehrmals beim Essen. Kurz darauf verschwindet meine Begleitung auf der Toilette. Nun gilt meine Aufmerksamkeit einem, etwas zu groß geratenem Salatblatt, welches dem Koch bei der Zerkleinerung in mundgerechte Portionen wohl entgangen sein muss. Mit dem Besteck falte ich es gleich dreimal zusammen, spieße es auf und schiebe mir die Gabel in den Mund. Vielmehr, ich versuche mir die Gabel in den Mund zu schieben. Denn just in dem Moment, als das Salatblatt meinen schon geöffneten Mund berührt, faltet es sich urplötzlich wieder auf, wie ein Fallschirm nach einem Sprung aus einem Flugzeug. Nur das dieses Salatblatt mich nicht retten wird. Ganz im Gegenteil – Es bringt mich in eine außerordentlich ungünstige Situation. Aber kommen wir zurück zum Salatblatt! Es faltet sich zu seiner vollständigen und natürlichen Ursprungsgröße auf und ich steche mit meiner Gabel durch das dünne Blatt hindurch. Nun hängt das grüne Ungetüm mittig auf dem Gabelstiel, während sich der Rest der Gabel in meinem Mund befindet. Erschrocken halte ich für den Bruchteil einer Sekunde inne und realisiere, was da gerade passiert ist. Ein leichtes Panikgefühl steigt in mir auf und mein Bewusstsein wird nur von einem Gedanken beherrscht: „Wie komme ich aus diesem, für mich doch sehr unglücklichen Umstand wieder heraus bevor meine Begleitung zurückkommt?“ Die nachfolgenden Geschehnisse ereignen sich innerhalb der nächsten Sekunden... Von Panik ergriffen schaue ich in Richtung Toilette, aber das große hellgrüne Salatblatt versperrt mir fast die komplette Sicht. Mit weit aufgerissenen Augen spähe ich über den Rand des Salatblattes und mein Blick fängt den eines Mannes am Nachbartisch ein. Dieser sitzt unserem Platz genau gegenüber, während seine Begleitung mir den Rücken zugekehrt hat. Er hält sein Besteck regungslos in der Hand während er mich wie gebannt anstarrt. Ganz wie bei einem Horrorfilm besagt sein Blick: „Es ist fürchterlich und schrecklich, aber ich kann nicht wegschauen!“ Hektisch schweift mein Blick durch das Restaurant, aber ansonsten nimmt niemand Notiz von mir und meinem großen Unglück. Der Mann starrt immer noch zu mir hinüber, den Mund vor Erstaunen weit geöffnet. Mir bricht der kalte Schweiß aus und panisch versuche ich die Gabel wieder aus dem Salatblatt herauszuziehen. Aber das gelingt mir genauso wenig, wie mir das Salatblatt von meinem Gesicht zu lösen. Immer noch versuche ich mir den Anschein zu geben, dass alles nur ein kleines Missgeschick ist - Nicht der Rede wert! Das Salatblatt mit der freien Hand wegziehen kommt für mich nicht in Frage. Dadurch würde ich mir und dem Mann gegenüber ja praktisch eingestehen, dass ich die Lage nicht mehr im Griff habe. Totaler Kontrollverlust! Oder anders ausgedrückt, völlig unfähig mit Messer und Gabel umzugehen und nicht fähig einen Salat zu essen. Noch einmal schaue ich zu dem Mann am Tisch gegenüber. Ganz gefangen von der peinlichen Situation vor sich hat er mittlerweile das Essen und die Unterhaltung mit seiner Frau komplett eingestellt. Seine GegenüberIN wird langsam unruhig, dass kann ich von meinem Platz aus gut beobachten. Nicht mehr lange und sie wird sich ebenfalls zu mir umdrehen. Dann habe ich schon zwei Zeugen meiner unwürdigen Misere! Mein Herz klopft wie wild in meiner Brust und Verzweiflung macht sich in mir breit. In diesem Moment höre ich ein schepperndes Geräusch von der gegenüberliegenden Seite des Raumes. Unsere Bedienung von vorhin hat ein Tablett mit Gläsern fallen lassen. ALLE, wirklich alle im Raum drehen die Köpfe in Richtung des Lärms. Das ist meine Chance! Mit einer schnellen Bewegung ziehe ich mir mit der freien Hand das Salatblatt vom Gesicht und werfe es dorthin zurück, wo es hergekommen ist. Erleichtert wische ich mir mit einer Serviette Essig und Öl von der Haut. Keine Sekunde zu früh, denn schon kommt mein Date von der Toilette zurück. „Was ist denn hier los?“ „Eine Bedienung hat ein paar Gläser fallen lassen!“, erkläre ich und schiebe unauffällig meine Salatschüssel zur Seite. Mein Nachbar hat sich zwischenzeitlich wieder umgedreht und unsere Blicke begegnen sich erneut. Ich sehe fast so etwas wie Enttäuschung in seinen Augen aufblitzen, als er feststellt, dass ich mich zwischenzeitlich aus meiner misslichen Lage befreien konnte. Er greift zum Besteck und sein Messer landet klirrend auf dem Fliesenboden unter dem Tisch. Nun kann ich mir ein Grinsen nicht verkneifen. Als wir bezahlen, gebe ich unserer Bedienung ein Extra-Trinkgeld. :) Ist Euch auch schon mal so etwas passiert? Schreibt mir gerne in den Kommentaren...

  • Eine Reiswaffel gegen den Hungertod

    Schon seit vielen Jahren bin ich unsterblich verliebt. Eine kleine Insel mitten in der Nordsee hat es mir dabei angetan. Mindestens einmal pro Jahr muss ich dort Urlaub machen, sonst wird die Sehnsucht einfach zu groß. Im März diesen Jahres fahre ich wieder für eine Woche nach Amrum. Die Vorfreude auf die Insel ist groß, wenn da nur nicht die lange Fahrt wäre. ELF bis ZWÖLF Stunden muss man da mit Auto und Fähre schon mal einrechnen, bei Stau und verstopfter Autobahn natürlich länger. Auch die Deutsche Bahn ist keine wirkliche Alternative. Die Fahrtzeit ist ähnlich lang und Zugausfälle, Verspätungen, verpasste Anschlusszüge tun ihr Übriges. Mit Schrecken erinnere ich mich an die grauenvolle Rückfahrt mit dem Auto letzten Sommer, die wir fast nicht überlebt hätten. „Fertig mit Packen?“, frage ich meine Tochter. Sie nickt. „Hast du auch nichts vergessen?“, frage ich weiter. Genervtes Augenrollen ist die Antwort. Gleichzeitig checke auch ich noch einmal meine Sachen. Alles da... Koffer, Jacke und der Rucksack, voll gefüllt mit Proviant für die Heimfahrt. Ein fatale Fehleinschätzung... aber dazu später. Ein letztes Mal lasse ich den Blick durch die Ferienwohnung schweifen, dann ziehe ich die Haustür gewissenhaft ins Schloss. Schlüssel, wie besprochen in den Briefkasten und los geht es mit dem Bus in Richtung Fähranleger. Ich weiß nicht, wie es passieren konnte, aber kaum haben wir die Fähre betreten, überkommt uns ein Bärenhunger. Während der zweistündigen Fahrt verschwindet der größte Teil des Proviants in unseren Mägen und es ist gerade mal 7 Uhr vorbei. Danach sind wir erst einmal gesättigt und verlassen den Inselparkplatz in guter Laune. Unser Ziel ist es, ohne große Verzögerungen, Pausen und Zwischenfälle nach Hause zu kommen. Unser Vorsatz hält bis zum Elbtunnel an, dann stehen wir das erste Mal im Stau. Diese kleine Verzögerung nehme ich noch gelassen hin und eine halbe Stunde später ist der Spuk dann auch schon wieder vorbei. Kaum sind wir ein paar Kilometer gefahren, als sich schon der nächste kleine Stau ankündigt. Die A7 ist wieder einmal verstopft, wie das Siphon eines alten Spülbeckens „Das gibt es doch gar nicht!“, schimpfe ich, als ich eine Viertelstunde später schon wieder abbremsen muss. Im Schneckentempo geht es weiter. Gegen Mittag setzt bei uns beiden ein leichtes Hungergefühl ein und meine Tochter kramt in leichter Verzweiflung im Rucksack herum. „Ist das alles?“, fragt sie mich kurze Zeit später und hält mir missmutig eine angebrochene Packung Kräcker unter die Nase. „Scheint so!“, antworte ich ebenfalls leicht genervt, denn ich muss schon wieder abbremsen. „Die schmecken ja widerlich!“, höre ich meiner Tochter, begleitet von einem Würgegeräusch, sagen. „Du musst sie ja nicht essen! Niemand zwingt dich dazu!“, entgegne ich ihr lauter als beabsichtigt. Vielleicht der klägliche Versuch mein eigenes Magenknurren zu übertönen. „Hast du gar NIX zu trinken hier im Auto?“, fragt sie mit nörgelndem Unterton in ihrer Stimme. „Was ist denn mit der Wasserflasche, die ich vorhin auf der Fähre gekauft habe?“, antworte ich ihr um Fassung bemüht. „Die ist schon seit Stunden leer!“, stellt meine Tochter genervt fest. „Okay! Wir fahren an der nächsten Raststätte raus!“, gebe ich nach. „Wann kommt denn die nächste Raststätte?“ „Nur noch 5xStau... dann sind wir da!“, zicke ich zurück. Danach ist erst einmal Funkstille. Letztendlich ist es nur ein Stau, dafür kostet er uns ganze 40 Minuten Lebenszeit. Eine unangenehm drückend, volle Blase, ein nicht mehr zu ignorierendes Hungergefühl und eine Laune, die sich schon zwei Etagen unter den Kellerräumen befindet gibt es gratis dazu. Auf dem Parkplatz angekommen, stürmen wir gleichzeitig aus dem Auto in Richtung Toilette. Meine Tochter versucht sich an einem Lächeln. Ich bin mir allerdings nicht sicher, ob sie nur deswegen freundlich ist, weil sie einen Euro von mir braucht. Nach dem Toilettengang, die erste Erleichterung ist deutlich spürbar, betreten wir die Raststätte. Meine, gerade wieder reanimierte, Gute Laune beginnt abermals zu schwächeln, als mein Blick durch den Kiosk und den angrenzenden „Restaurantbereich“ schweift. Ein paar mitleiderregende Würstchen schwimmen neben einem, mit knatschig aussehenden Brötchen bestückten, Plastikkörbchen. Giftgrüne Äpfel, in denen sich mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit kein einziges Vitamin mehr befindet, baumeln an einem darüber befestigten Drahtkorb trostlos von der Decke. Fast muss ich loslachen, als ich das traurige Arrangement vor mir begutachte. Eine Art Stillleben des Grauens, denke ich bei mir. Die angebotenen und völlig überteuerten Hotdogs, Hamburger und belegte Brötchen mit undefinierbarem Belag machen es nicht besser. „Hier essen wir nichts!“, bestimme ich und verlasse mit hocherhobenem Haupt das Gebäude. „Lieber verhungere ich!“ Meine Tochter schleicht mit gesenktem Kopf hinter mir her. Aber auch die nächsten zwei angesteuerten Raststätten bringen keine wirkliche Verbesserung der Lage mit sich. Mittlerweile quälen uns Hunger, Durst und Rückenschmerzen vom langen Sitzen in gleichmäßiger Intensität. Die anfänglichen Beschwingtheit des Vormittags ist zwischenzeitlich zu einem Häufchen Hoffnungslosigkeit zusammengeschrumpft. Zwei Staus später, kurz vor Fulda müssen wir uns eingestehen, dass es so nicht mehr weitergeht. Wir nehmen die nächste Ausfahrt und fahren auf der Suche nach einem Restaurant, Döner-Laden, oder Ähnliches ein Stück in die Stadt hinein. Es ist mittlerweile 17 Uhr vorbei. Auf eine Stunde früher oder später kommt es jetzt auch nicht mehr an. Wir verfahren uns... streiten miteinander... verfahren uns noch einmal... können uns nicht mehr leiden. Plötzlich sehe ich auf der linken Seite ein hellerleuchtetes Gebäude in Form einer Biskuitrolle. „ Tegut “, lese ich auf dem großen Schild, welches in gut lesbarer Schrift auf dem Dach angebracht ist. Innerlich jubelnd beschreibe ich eine 90 Grad Kurve nach links, um kurze Zeit später auf dem großen Parkplatz vor dem Supermarkt zum Stehen zu kommen. „Ein Tegut!, stelle ich überglücklich fest und umarme meine Tochter überschwänglich. Freudetaumelnd betreten wir in gespannter Erwartung den Laden. Ein 24-Stunden offener Selbstbedienungsladen, genannt TEO. Was haben wir für ein Glück, denn es ist Sonntag. Wir stürmen durch die Gänge, jeder nimmt was er tragen kann. An der Kasse treffen wir uns wieder. Ich ziehe eine Packung vegetarisches Sushi, Bulgursalat, Bio-Nudelsalat, Joghurt, Bananen und einen Vanillepudding über den Scanner der Kasse. Nachdem Bezahlen, fast schon am Ausgang fällt mir der begangene Fehler auf. „Wir haben kein Besteck!“, rufe ich und bleibe wie angewurzelt stehen. Widerwillig bleibt auch meine Tochter stehen. Es ist ihr anzusehen, dass sie sich mit solchen Nebensächlichkeiten, wie fehlendem Besteck nicht herumärgern will. „Dann nehmen wir den Salat und den Joghurt mit nach Hause. Ich esse das Sushi und du die Bananen!“, bestimmt sie. Damit bin ich aber überhaupt nicht einverstanden. Ich hatte mich so auf den Pudding und den Salat gefreut, dass ich einfach stehenbleibe. Die Lebensmittel fest an meinen Körper gedrückt, stehe ich mit trotziger Miene mitten im Laden und fange fast an zu heulen. Ich kann nicht mehr! Der Kampf ist verloren! Meine Tochter schaut mich einen Moment an dann seufzt sie. „Also gut! Vielleicht gibt es hier ja auch Besteck zu kaufen!“ Wir durchkämmen den Laden zweimal sehr gründlich, finden aber NICHTS! In meiner abgrundtiefen Verzweiflung fällt mein Blick auf eine Packung Reiswaffeln und ich habe eine grandiose Idee. Nachdem wir wieder im Auto Platz genommen haben, bauen wir unsere mitgebrachten, essbaren Kostbarkeiten vor uns auf. Auf jeder freien Stelle im Auto steht ein anderes Schüsselchen. Danach reiße ich die Verpackung der Reiswaffeln auf. Nehme mir eine heraus und beiße sie zu einem Löffel zurecht. Meine Tochter schaut mir mit erstauntem Gesichtsausdruck und offenem Mund dabei zu. Als mein Löffel fertig ist frage ich sie: „Was ist jetzt mit dir? Soll ich dir auch einen Löffel zurecht beißen oder schaffst du das auch ohne mich?“ Danach spricht keiner mehr ein Wort. Wir sitzen nebeneinander im Auto und vertilgen unser Essen in Rekordgeschwindigkeit. Den Reiswaffel-Löffel noch fest in der Hand, lehne ich mich einige Zeit später zufrieden in meinen Sitz zurück. „Weißt du Mama! Das mit dem Essen ist schon wichtig! Da geht es einem gleich viel besser... auch so mental!“, meint meine Tochter. Ich schaue sie an und dann muss ich loslachen. Erst ist es nur ein Grinsen, dann ein Kichern und dann lachen wir zusammen so laut, dass es wahrscheinlich über den ganzen Parkplatz schallt. Falls es noch irgendjemanden interessiert, es ist fast 21 Uhr, als wir endlich zu Hause ankommen.

  • Nur die inneren Werte zählen

    „Ich habe dauernd Bauchschmerzen!“, jammert meine Tochter beim Frühstück am frühen Morgen und drückt sich mit ihrer Hand und schmerzverzerrtem Gesicht in den Bauch unterhalb des linken Rippenbogens. „Und übel ist mir auch öfters!“, fügt sie mitleiderregend hinzu. Am gleichen Tag noch mache ich für sie einen Termin bei unserem Hausarzt aus. Am nächsten Tag habe ich die gleichen Symptome. Mir fällt ein, dass ich die letzte Zeit ebenfalls ein wiederkehrendes Druckgefühl in der Magengegend gespürt habe– direkt unter den Rippen. Verwirrt fange ich an im Internet zu googeln. „Schmerzen und Druckgefühl im linken Oberbauch“, gebe ich in die Tastatur ein. „Tod, Elend und Verdammnis sind die Antworten, die mir Google ausspuckt. Schnell schalte ich das Laptop wieder aus und wähle stattdessen die Nummer unseres Arztes. „Natürlich können sie auch miteinander zum Termin kommen!“, nuschelt die freundliche Dame an der Anmeldung ins Telefon. „Das bleibt ja sozusagen in der Familie!“, versucht sie es mit einem Scherz. Pünktlich um 15 Uhr stehen meine Tochter und ich am kommenden Montag vor der Arztpraxis. Ihre Bauchschmerzen haben sich auf wundersame Weise verflüchtigt, als sie von mir hört, dass eine eventuelle Blutabnahme unumgänglich sein könnte. Mein Töchterchen hat eine ausgeprägte Spritzenphobie! Ein einziges Mal, im zarten Alter von zweieinhalb Jahren wurde ihr in der Kinderarztpraxis Blut abgenommen. Ich erinnere mich noch lebhaft an diesen Tag. Schreiend und wild mit den Armen fuchtelnd rannte sie um den antik aussehenden Schreibtisch im Sprechzimmer des Kinderarztes. Das Fang- und Versteckspiel fand erst sein Ende, als ich sie mit meinem ganzen Körpergewicht auf der Liege fixierte, während der Arzt die Blutabnahme am - zwischenzeitlich völlig aufgelösten Kind - vornahm. Das Endresultat waren die Bestimmung der erforderlichen Blutwerte und die Geburt einer panischen Angst vor Spritzen. Im Behandlungszimmer sitzen wir gemeinsam vor dem Schreibtisch des Arztes und sein Blick gleitet zwischen meiner Tochter und mir hin und her. Bisher kannte er nur mich. „Meine Tochter! Ich weiß, wir sehen uns nicht besonders ähnlich – sie kommt eher nach ihrem Vater!“, stelle ich sie lächelnd vor. Im Wechsel erzählen wir von unseren Symptomen, von den Schmerzen, dem Druckgefühl und der gelegentlichen Übelkeit und werden nacheinander zum Bauchultraschall in das angrenzende Nachbarzimmer mitgenommen. Als wir wieder vor dem Schreibtisch Platz genommen haben erklärt uns der Arzt: „Viel Luft im Bauch und die Milz wirkt etwas dicklich und plump!“ „Die Milz von wem?“, frage ich ihn mit gerunzelter Stirn . „Von beiden!“, antwortet der Doktor, während er hochkonzentriert etwas in seinen Computer tippt. Ich lache los. „Soll das bedeuten, dass wir uns rein äußerlich nicht besonders ähnlich sehen, aber unsere Milz schon?“ Jetzt ist es der Arzt, der lacht. „So könnte man das ausdrücken!“ Kurze Pause und dann: „Alles weitere klärt sich über die Blutwerte!“ Meine Tochter zuckt unwillkürlich zurück und wird blass. Das bleibt auch dem Arzt nicht verborgen und er blickt auf. Neugierig mustert er sie über seine Brille hinweg. „Angst?“ Wir klären ihn auf und er lächelt milde. „Dann versuchen wir es bei dir erst einmal mit LEFAX und nehmen heute nur deine Mutter zur Blutabnahme mit. „Sehe ich da ein schadenfreudiges Grinsen?“. Mit hochgezogenen Augenbrauen werfe ich meiner Tochter einen empörten Seitenblick zu. „Das täuscht!“, entgegnet sie mit gespielter Unschuld Nach der Blutabnahme laufen wir zusammen nach Hause. Meine Tochter lächelt zufrieden vor sich hin. „Was grinst du denn die ganze Zeit so blöd?“, frage ich sie misstrauisch. „Ganz einfach! Ich dachte ich hätte zugenommen... und jetzt weiß ich, dass mein Bauch nur deshalb so dick ist, weil da zu viel Luft drin ist!“ Wir kichern los. Wahrscheinlich hat ein Freund von mir doch recht. „Was raus muss, muss raus!“, pflegt er des Öfteren zu sagen. Vielleicht sollte man doch manchmal einfach ungeniert pupsen! Dann muss man sich wenigstens nicht mit einem unangenehmen Druckgefühl im Bauch aufgrund von Blähungen herumschlagen. Darüber werde ich einmal nachdenken. :) Mittlerweile haben wir die Apotheke erreicht: „Wir teilen wirklich alles miteinander!“, stelle ich fest. „Wohnung, Essen, die tiefsten Geheimnisse und jetzt auch noch unsere Blähungen!“ Wir bleiben stehen. „Und weißt du, was das Beste ist?“, fragt meine Tochter weiter. „Da wir jetzt wissen, dass wir die gleichen Symptome, Organe und Beschwerden haben, reicht es ja für zukünftige Befunde völlig aus, wenn man nur bei dir Blut abnimmt!“ Darüber müssen wir uns bei Gelegenheit noch einmal unterhalten!

  • Die Lotterich

    Rückblick Voller Neugierde betreten wir das, mit einer hohen Mauer umfasste Grundstück. Kaum habe ich das knarrende Hoftor geschlossen, als uns schon von der anderen Seite, aus einer gerade geöffneten Tür, ein rotbraunes Reh entgegenrennt. Mit enormer Geschwindigkeit saust es auf uns zu, rempelt uns an, springt an uns hoch und freut sich, als würde es uns schon ein ganzes Leben lang kennen. Im ersten Moment weiß ich gar nicht wie mir geschieht. Es ist nicht einfach, dieses verrückte und fortwährend hüpfende Geschöpf in Augenschein zu nehmen. Gleich darauf tritt eine ältere Frau aus der Tür des gegenüberliegenden Gebäudes und das Tier wird etwas ruhiger. Ich schaue es an und muss unweigerlich grinsen. Zu Anfang sehe ich nur ein paar lange, steckenähnliche Beine, die im ersten Moment so gar nicht zum Rest des Körpers passen wollen. Und dann diese Ohren! „Allmächd!“, denke ich. „Dieses Tier besteht nur aus langen Beinen und großen Ohren!“ Bei weiterer Betrachtung erkenne ich einen peitschenartigen, langen dünnen Schwanz, der unaufhörlich wedelt. So sehr, dass das ganze Hinterteil wackelt, als wäre es völlig losgelöst vom restlichen Körper. „Mein Zahnarzt würde dir einen deutlichen Überbiss bescheinigen!“, denke ich so bei mir, als mich auch schon eine große nasse Nase freundlich anstupst. Gutmütige Klubschaugen schauen mich neugierig an. „Ja was bist denn Du für eine.... ein... ein interessantes Geschöpf!“, sage ich und lächele erst den kleinen Wirbelwind und dann die Frau an, die mit ausgestreckter Hand und einem warmherzigen Lächeln auf mich zu eilt. Händeschütteln, Lächeln, ein paar nette Floskeln, wieder Lächeln. Dann. „Das ist Lotte...“ und an Lotte gewandt, „...das ist deine neue Familie!“ Und so kam es, dass wir ein paar Tage später stolze Eltern einer, aus den katalanischen Bergen kommende, von einer Tierschutzorganisation vermittelte, fünfjährige Podenco-Pinscher Mix Dame wurden. Man sagt, dass es circa sieben Jahre braucht bis man einen Menschen wirklich kennengelernt und alle Facetten seiner Persönlichkeit erfahren hat. Ich glaube bei einem Hund verhält es sich ganz ähnlich! Irgendwann stellt man fest, dass der Lieblingsmensch an seiner Seite nicht nur liebliche Eigenschaften hat. Eine ernüchternde Erkenntnis, der niemand entkommen kann. So vergewisserte ich mich in der Vergangenheit ganze dreimal, ob Lotte wirklich ein Weibchen ist, denn sie hebt beim Pinkeln ganz oft das Bein. Bei der Begegnung mit einem anderen Hund zeigt sie sich stets äußerst begeistert. Allerdings stößt das grobmotorische Anrempeln, aus voller Geschwindigkeit bei ihren Kollegen nicht immer auf Gegenliebe. Und überhaupt verhält sich das Tier im Umgang mit seinen Artgenossen eher unangebracht. Mit stümperhaften und ungelenken Bewegungen fordert sie ihr Gegenüber zum Spielen auf. Irritierte Blicke von Hund und Frauchen oder Herrchen sind ganz oft die Folge: „Ja was hat er denn?“, werde ich dann gefragt. „Die Sauerstoffzufuhr bei der Geburt war nicht optimal!“, antworte ich dann meistens und gehe schnell weiter, den immer noch begeisterten Hund hinter mir herziehend. Mitleidige Blicke verfolgen uns. Manchmal denke ich, da könnte wirklich etwas dran sein. Wenn sie mal wieder just in dem Moment, abwartend bis der Radfahrer ganz sicher auf gleicher Höhe mit uns ist, zielstrebig in das Fahrrad rennt. Oder aus, für mich nicht ersichtlichen Gründen, einen plötzlichen Bogen in ihrer eigentlichen Laufrichtung beschreibt, als würde sie einem, für mich unsichtbaren Hindernis ausweichen. Jede Fahrt mit dem Auto wird zur Herausforderung, weil sich andauerndes Jammern, ähnlich einer alten Feuerwehrsirene mit ganz erbärmlich stinkenden Pupsen abwechseln. Von den Käsepfoten und dem nächtlichen Schnarchen möchte ich an dieser Stelle gar nicht sprechen. „Lotte, du verhältst dich nicht wirklich wie eine Dame!“, sagte ich irgendwann einmal zu ihr. „Du bist eigentlich eher so ein LOTTERICH!“ Und dieser Name ist bis heute geblieben... :) Seit es Lotterich in unserem Leben gibt, gab es kein entspanntes Silvester mehr zu Hause. Mit einem rasenden Herzschlag, wie ein Presslufthammer, Käsepfoten de luxe und Dauergejammer, welches man in menschlicher Sprache mit „Oje...oje... oje“ übersetzen könnte, läuft sie unruhig in der Wohnung auf und ab. Gleich nach dem ersten Knall stellt sie ihre Blasenfunktion ein und ist nicht mehr zum Pinkeln zu bewegen. Dafür hat sie Dauerdurchfall. Mittlerweile packe ich den Hund einen Tag vor Silvester in die Hundebox und fahre weit, weit weg. Trotzdem entkommen wir den Raketen, den lauten Böllern und dem Lärm nie ganz und es ist jedes Jahr erneut eine echte Herausforderung. Mit der Zeit habe ich begriffen, dass unter dem oft tölpelhaften und, etwas grob anmutenden Verhalten eine sensible Seele steckt, die dadurch einfach nur sehr stark auf äußere Reize reagiert. Lotterich ist sehr oft eine einzige Katastrophe. Sie muss in ihrem früheren Leben viel mitgemacht und so manche schlimme Situation erlebt und überlebt haben. Das stelle ich immer wieder aufs Neue fest. „Dieser Lotterich ist eine echte Herausforderung!“, denke ich, während ich sie, friedlich schnarchend in ihrem Körbchen beobachte. Aber wenn ich ehrlich bin, dann muss ich mir eingestehen, dass wir uns in mancher Hinsicht ähnlich sind. Nicht was das Pupsen angeht! Das möchte ich an dieser Stelle noch einmal in aller Deutlichkeit erwähnen. Aber Neugierde, Kampfgeist, Sensibilität und einen Hang aus der Reihe zu tanzen sind eindeutig Eigenschaften, die ich auch mein Eigen nennen kann.

  • Das Futterhaus... alle Vögel sind schon da...

    In der Winterzeit, beginnend Ende Oktober bis zum Monat April, füttere ich unsere heimischen Vögel. Dazu habe ich ein kleines Vogelhaus in einem Busch gegenüber meiner Wohnung aufgehängt. Drumherum baumeln an dicken, kargen Ästen ohne Schnee allerlei Knabbereien und andere Schmankerl für meine kleinen gefiederten Freunde. Kleine Meisenknödel, aber auch solche, die so groß sind, dass diese locker als Bowling-Kugel, vom Bowling-Center gleich um die Ecke, durchgehen könnten. Diese hängen freilich nur an besonders stabilen Ästen. Die panische Angst, es könnte sich einer der monströsen Futterbälle vom befestigten Zweig lösen und ein, durch Zufall darunter befindliches, Tier erschlagen ist immens. Außerdem im Futterangebot diverse Meisenringe, Futterstangen und andere, in Netzen verpackte, Nussmischungen. Mit einer Tasse Tee in der Hand stehe ich manchmal am Fenster und beobachte das emsige Treiben meiner immer hungrigen Freunde. Dabei durchströmt mich jedes Mal ein wahres Glücksgefühl und ich fühle mich wie ein Mensch, der durch sein beherztes Eingreifen die Welt ein kleines bisschen besser macht. ​In wohlwollender, ja herzerwärmender Stimmung stehe ich dann am Fenster und schaue auf das bunte Treiben im Vogelhaus. An einem bitterkalten Tag, das Thermostat zeigt Minusgrade zerreißt ein fremder Laut die morgendliche Stille. Aus meiner meditativen Stimmung herausgerissen, schaue ich verwundert nach draußen. Alle Vögel sind verschwunden, stattdessen ertönt das gurrende Geräusch erneut. Ich trete näher an das Fenster heran und drücke meine Nase gegen die Scheibe. Da sehe ich SIE. Sie fallen über meine Futterstelle her, wie ein Schwarm ausgehungerte Vandalen. Ich zähle mindestens zehn Tauben, die sich mit lautem Gezeter und Gezänk, um die verbliebenen Körner auf dem Boden streiten. Eine einsame Kohlmeise sitzt auf einem Ast ganz in der Nähe und beobachtet mutig das rüpelhafte Benehmen der gefiederten Unholde. Alle anderen sind bereits geflohen. "Nein! So haben wir nicht gewettet!", denke ich und Wut macht sich in mir breit. Mit entschlossenem Schritt gehe ich in richtung Balkon, reiße die Tür auf und trete in die morgendliche Kälte. Mit wildfuchtelnden Armen und Sch...sch...sch- Geräuschen versuche ich die unverschämte Taubenbande zu vertreiben. Und es funktioniert! Mit hektischem Geflatter machen sich die Störenfriede aus dem Staub. Retten sich auf das Vordach des Nachbarhauses, oder fliegen auf einen, in der Nähe stehenden Baum."Das wäre geschafft!", denke ich und zufrieden mit mir und der Welt gehe ich zurück in meine Wohnung.  Kurze Zeit später, ich bereite mir gerade in der Küche mein Frühstück vor, stelle ich mit größter Empörung fest, dass die Tauben wieder zurück sind. Mit gierigen und hackenden Bewegungen fressen sie in Höchstgeschwindigkeit meinen armen Vögelchen das Futter vor dem Schnabel weg. „Das gibt es doch gar nicht!“, schnaube ich fassungslos und fuchtele mit beiden Händen vor der Fensterscheibe herum. Ein kleines Kind, welches gerade gegenüber auf dem Spielplatz auf die Schaukel klettern will, rennt schreiend zu seiner Mutter. Aber auch die Tauben sind verschwunden. Kurze Zeit später beginnt das Spiel von vorne. Mittlerweile scheinen die schlauen Tiere begriffen zu haben, dass mit mir nicht gut Körner essen ist. Eine vorgeschickte Taube soll auskundschaften, ob die Luft rein ist. „Nix da!“, denke ich. „Dieses Manöver werde ich sofort im Keim ersticken. Ich täusche vor auf den Balkon zu treten und schleiche mich dann vorsichtig aus der Wohnung, um wenig später mit Kampfgeschrei aus der Haustür zu stürmen. Ich registriere drei aufgeschreckte Tauben, die sich mit ein paar Flügelschlägen auf die Dachrinne retten und eine Mutter, die mich weniger erschrocken, dafür aber böse vom gegenüberliegenden Spielplatz anstarrt. Die Tauben sitzen mittlerweile in einer Reihe auf der Dachrinne unseres Hauses und schauen mit hämischen Blicken zu mir hinab. „Ihr gefiederten Schweinebacken!“, rufe ich mit zornesrotem Gesicht nach oben. „euch krieg ich noch!“ dabei hebe ich drohend meine Faust. Die Mutter vom Spielplatz verlässt fluchtartig das Gelände. Danach habe ich einige Dinge zu erledigen und meine Feinde geraten kurzzeitig aus meinem Fokus. Dafür trifft mich am frühen Nachmittag bei einem Kontrollblick aus dem Fenster fast der Schlag. Eine der Tauben sitzt auf meinem Futterhaus. Sie hat sich kopfüber an einem herabhängendem Ast abgeseilt und versucht mit ihrem Schnabel an das Vogelfutter zu gelangen. Kurz bin ich beeindruckt über die akrobatische Höchstleistung der dicken Taube, aber gleich danach siegt die Empörung. Ich stürme auf den Balkon und werfe das erstbeste hinüber, was ich zu fassen bekomme. Eine kleine Porzellanfigur zerschellt mit einem lauten Plopp am Seitenteil des Vogelhauses und die Einzelteile landen im Umkreis von drei Metern auf dem Boden. „Mit Verlusten muss man rechnen!“, denke ich, während mein Blick über die einzelnen Scherben der kleinen Vogelfigur schweift. Wenigstens ist auch die Taube weg! In der darauffolgenden Woche geht es so weiter. Es vergeht fast kein Tag, an dem ich nicht mitten unter dem Essen aufspringe, um am Fenster meinen täglichen Vertreibungstanz aufzuführen. Meine Tochter schüttelt nur noch amüsiert ihren Kopf. „Du arme bemitleidenswerte Frau!“, sagt sie dann. „Du verstehst das nicht!“, antworte ich ihr im Brustton meiner Überzeugung. Muss mir aber eingestehen, dass es so nicht mehr weitergeht. Vor meiner Wohnungstür herrscht Krieg. Seit Tagen getraut sich kein einziger Vogel mehr zur Futterstelle. Selbst die mutige Kohlmeise ist verschwunden. Schweren Herzens gehe ich am nächsten Tag in den Baumarkt und kaufe ein weiteres Vogelhaus. Ein Großes, geräumig genug, dass ich auch eine dicke Taube darin bequem umdrehen kann. Ich stelle es in einiger Entfernung auf. Es dauert nicht lange bis die freche Taubenbande die Vorzüge des neuen Hauses erkannt haben. Nun stehe ich am Fenster mit einer Tasse Kaffee in der Hand und beobachte beide Vogelhäuser. Der Vogelverkehr hat sich wieder normalisiert und alles geht seinen gewohnten Gang. Ich atme erleichtert auf, nippe an meinem koffeinhaltigen Heißgetränk und denke: „ … Was denke ich? Schreibt mir doch mal Eure Ideen in die Kommentare, über das Kontaktformular, oder WhatsApp Ich freue mich :) von Michi: und denke "Das wäre geschafft!" von Matilda: und denke "Taube gut, alles gut!" von Matthias: und denke "Einfach genial diese Idee!"

  • Die Odyssee nach Fürth

    Alles fing damit an, dass ich ein paar Weihnachtsgeschenke umtauschen wollte. Ein bisschen bummeln, durch die Gassen schlendern, einen Kaffee trinken. Nix besonders! Ich fragte meine Tochter und meinen Freund, ob sie mich begleiten wollten. An einem Samstag, späterer Vormittag machten wir uns auf den Weg. Um die stressige Parkplatzsuche zu vermeiden, wollten mit dem Zug nach Fürth fahren. "Von Forchheim nach Fürth kein Problem!", dachte ich. "Der Zug fährt um halb, Mama!", ruft mir meine Tochter genervt entgegen, während sie auf einem Bein stehend (das Andere steckt schon halb in einem Stiefel) versucht ihre Jacke vom Haken zu angeln. "Was, schon um HALB?", entgegne ich ihr und in meiner Stimme liegt eine Spur von Hysterie. Ich drücke mich an meinem Freund vorbei, der mit sichtlicher Verwirrung im Türrahmen steht, in den, durch eine Vielzahl an Schuhen, Jacken und anderem Krimskrams überfüllten, von Haus aus zu engen Gang und suche hektisch nach einem Paar passenden Schuhen. Dabei werfe ich meinem Freund einen ungeduldigen Blick zu. "Auf geht's! Wir sind zu spät!" Mit hochrotem Kopf, das Gemeckere von meiner Tochter im Ohr (immer bist DU zu spät dran) und dem Versuch während des Laufens nicht zu ersticken, erreichen wir kurze Zeit später den kleinen Bahnhof. Der Zug fährt uns vor der Nase davon. "Verdammte Sch....!", rufe ich, während ich versuche wieder zu Atem zu kommen. "Und was jetzt?" Meine Tochter wirft mir noch einen bösen Blick zu und studiert dann den Fahrplan an dem Wartehäuschen. Schuldbewusst laufe ich ihr hinterher, um ebenfalls einen Blick darauf zu werfen. "Na super! Der nächste Zug, der hier hält, fährt erst in einer Stunde!", verärgert dreht sie sich zu mir um. "In drei Minuten kommt ein anderer Zug, der fährt zwar in die Gegenrichtung, hält aber an der nächsten Station. Von dort aus können wir einen anderen Zug nach Fürth nehmen.", schlägt mein Freund vor. "Irgendwie idiotisch!", denke ich. "Aber immerhin besser, als eine Stunde hier am Bahnhof zu warten!" Schon fährt der Zug ein und wir haben keine Zeit mehr weiter darüber zu diskutieren. Kaum haben sich die Türen geschlossen, als uns auffällt, dass wir für diese Strecke keinen gültigen Fahrausweis haben. Das zuvor, gebuchte Ticket gilt nur für die andere Richtung. Hektisch schaue ich mich in dem überfüllten Zug um, während mein Freund eilig sein Handy aus der Tasche zieht und panisch beginnt darauf herumzudrücken. Auf die Frage, was er da mache, bekomme ich die kurze Antwort. "Mensch Jenni, wir fahren SCHWARZ. Ich versuche uns noch schnell zwei andere Tickets zu buchen." Schlagartig wird mir klar, dass diese Aktion meinen, sonst sehr regelkonformen, Partner ziemlich aus der "Bahn" wirft und ein mildes Lächeln umspielt meine Lippen. "Für mich eine Lappalie!", denke ich bei mir. "Da habe ich schon ganz andere Sachen gemacht!" Allerdings erstarrt mein Grinsen ganz schnell, als ich einen Schaffner erblicke, der im Abteil vor uns mit der Fahrkarten-Kontrolle beginnt. "Hat das mit den Fahrkarten geklappt?", frage ich meinen Freund, der immer noch hektisch auf seinem Display herumhackt. "Kein Netz!", ruft er mir knapp entgegen. Ich schaue meine Tochter an die, total gelassen an der Wand gelehnt, ihre Fingernägel betrachtet. Da wird mir plötzlich bewusst, dass sie sich ja auch keine Sorgen zu machen braucht. Sie hat einen gültigen Fahrausweis. Das 365 Euro-Ticket gilt für das ganze Jahr und beinhaltet sämtliche Fahrten im VGN-Bereich. "Die eigentlichen Schwarzfahrer sind nur WIR! Plötzlich steigt in mir Panik auf, gepaart mit einem schlechten Gewissen und der nackten Angst erwischt zu werden. Blitzschnell sendet mein Gehirn an meinen Körper eine Gefahrenwarnung. Aus einem Impuls heraus stürme ich los. Mein angeborener Flucht-Reflex gibt meinen Beinen die Kraft vorwärts zu gehen. Über meine Schulter hinweg rufe ich den Anderen leise zu: "Rückzug! Wir dürfen uns nicht erwischen lassen!" Während ich an anderen Reisenden vorbeihechte bricht mir der kalte Schweiß aus. Meine Pupillen sind geweitet und mein Atem geht schneller; mein ganzer Körper ist in Alarmbereitschaft versetzt. Endlich erreiche ich das nächste Zugabteil und drehe mich nach den Anderen um. Aber da ist Niemand! Durch die Glastür kann ich erkennen, dass meine Tochter und mein Freund immer noch an der gleichen Stelle stehen und mich fragend anschauen. Ich schaue zurück und fuchtele dabei wild mit den Armen. Nun hat selbst der letzte Mitreisende im Zug verstanden, dass sich hier etwas ganz Großes abspielt. Mit verwirrten Gesichtern setzen sich die Zwei in Bewegung und kommen auf mich zu. "Sag mal Jenni...Geht's noch?", fragt mich mein Freund. Von dem verächtlichen Blick meiner Tochter möchte ich an dieser Stelle gar nicht sprechen. In diesem Moment geschieht etwas, was ich im Nachhinein als "Mein Gehirn schaltete wieder in den Arbeitsmodus zurück" bezeichnen würde. "Du hast vollkommen recht! Wir müssen uns stellen!", sage ich. Ich versuche dabei meiner Stimme so viel Klarheit und Bestimmtheit wie möglich zu geben. "Ich gehe jetzt direkt zum Schaffner!" Mit diesen Worten drehe ich mich auf dem Absatz um und laufe zielstrebig zurück. Mein Freund schaut mir mit verdattertem Gesichtsausdruck hinterher. "Völlig richtig, Jenni!", bekräftige ich mich derweil selbst. "Man muss für sein Handeln Verantwortung übernehmen" Auf dem Rückweg bildete ich mir ein, anerkennende Blicke der Mitreisenden auf mir zu spüren. Das gibt mir den Mut weiterzugehen. "Mit euch fahre ich nie wieder IRGEND-WO-HIN!", höre ich meine Tochter hinter meinem Rücken sagen. "Was heißt den Euch?", entgegnet ihr mein Freund leise. Ich erreiche den Schaffner, baue mich vor ihm auf und beginne ohne Umschweife meine Geschichte zu erzählen. Er hört mir zu, sein Gesichtsausdruck wechselt von mäßigem Interesse zu Erstaunen und dann in Belustigung. Als ich geendet habe sagt er lachend: "Alles gut Mädel! Ich hab' gleich Feierabend und kontrolliere heute sowieso nicht mehr!" Erleichterung machte sich in mir breit. Siegessicher drehe ich mich zu den Anderen um. "Ich hab doch für uns Zwei mittlerweile eine Fahrkarte gekauft!", sagt da mein Freund zu mir. Entgeistert schaue ich ihn an. "Wenn du mal einen Moment stehen geblieben wärst, dann hätte ich dir das auch erzählen können!", stellte er schmunzelnd fest. "Mit euch fahre ich nie wieder Zug!", ist darauf meine Antwort.

  • Ein ganz normaler Morgen

    Jeden Morgen das gleiche Programm; Kaffee kochen, Frühstück für meine Tochter, Futter für den Hund, Pausenbrot machen und Getränkeflasche füllen und das morgendliche Gassigehen mit unserem vierbeinigem Freund. Schon ab zwei Frauen im Haushalt ist der Streit, WANN und vor allem, WIE LANGE wer ins Bad geht vorprogrammiert. Da kann es in der Hektik schon mal passieren, dass das Trockenfutter für den Hund auf dem Tisch und das Müsli auf dem Boden landet. Irritierte Blicke meiner MitbewohnerINNEN verraten mir schnell den begangenen Irrtum. Im engen Gang stoßen wir aneinander, eingepackt in dicke Jacken mit dem zuvor eilig gepackten Schulrucksack und meinem Korb, den ich praktisch überall mit hinnehme. Unter genervten Blicken, Gemecker und Gezicke verlassen wir die Wohnung. Eis an der Scheibe. So ein Mist! Mit einem gekonnten Hechtsprung lande ich auf dem Fahrersitz meines kleinen Autos. Ich drehe den Zündschlüssel im Schloss und starre wie gebannt auf die kleine rot blinkende Anzeige im Cockpit. 7:23 Uhr... fast pünktlich stelle ich betont heiter fest und schnalle mich eilig an. Vielmehr versuche ich es, denn bei all' der Hektik findet meine Hand im Halbdunkel keine Steckverbindung für den Verschluss des Gurtes. Mit ungelenken Bewegungen stochere ich seitlich an meinem Sitz in der Tiefe herum und fluche laut. Meine Tochter schaut mich missmutig von der Seite an: „Kann ich dir irgendwie behilflich sein?“ „Hab alles im Griff!“, antworte ich mit gepresster Stimme und finde, eher aus Zufall endlich das Schloss. Es macht „KLICK“ und erleichtert richte ich mich auf. Ich starte den Motor und fahre mit Entschlossenheit und großem Aktionswillen rückwärts aus meinem Parkplatz gegen die, am Straßenrand stehende, Mülltonne. „Ups!“, rufe ich, verziehe mein Gesicht zu einer Grimasse und den Kopf zu den Schultern. Genervt schnallt meine Tochter sich ab und verlässt das Auto. Kurze Zeit später kommt sie wieder zurück und noch während sie einsteigt stellt sie fest:“ Die Mülltonne hat jetzt eine Beule, dein Auto aber nicht!“ „Dann ist ja alles Bestens!“, entgegne ich ihr und setze noch einmal zum Rückwärts Ausparken an. Ich fahre los. Nein ich rase los! Wie ein Rennfahrer der Formel-1 nehme ich die erste Kurve, gefolgt vom Überfahren einer dunkelgelben Ampel und dem energischen Abbremsen hinter einem Lastkraftwagen, der in Schneckentempo anscheinend ein ähnliches Ziel verfolgt wie wir. Laut fluchend sitze ich am Steuer, das Lenkrad mit verbissenem Ärger fest umklammert. „Das gibt es doch gar nicht! Immer, wenn man es mal eilig hat!“ „Mama! Du hast es immer eilig!“, stellt meine Tochter sachlich fest. „Was wahrscheinlich daran liegt, dass wir wegen DIR am Morgen prinzipiell zu spät dran sind!“ „Stimmt doch gar nicht!“, sage ich mit echter Entrüstung in der Stimme, während ich versuche meinen langsamen Vordermann auf einer zweispurigen Straße links zu überholen. Ich schätze gerade meine Möglichkeiten ab. „Kann ich nach dem Überholvorgang noch vor der nächsten Kreuzung wieder auf die rechte Seite wechseln, um dann rechts abzubiegen?“ Als der Lastkraftwagen auf die linke Seite wechselt. „Perfekt!“, jubele ich und ziehe mit Siegesmiene und einem QUEEN-MOM-Winken an ihm vorbei. Der LKW-Fahrer wirkt irritiert. Wahrscheinlich fragt er sich den halben Vormittag, wer das wohl gewesen ist. Aber egal! Wir haben keine Zeit uns darüber Gedanken zu machen. Wir haben eine Mission! Meine Tochter muss um 7:45 Uhr in der Schule sein. Und ich werde alles geben, um dieses Ziel zu erreichen. Das bin ich meiner Tochter schuldig! Eine ältere Dame, die mit rheumageplagten, langsamen Schritten, den Rollator vor sich herschiebend, die Straße überquert erfährt bei meinem rasanten Herankommen einen wahren Energieschub und erhöht die Anzahl ihrer Schritte in der Minute auf das Doppelte. Meine Tochter und ich liefern uns eine heiße Diskussion darüber, ob die, gerade überfahrene Ampel nun rot war, oder nicht. Ich frage mich, ob das helle Aufblitzen eines Lichtes direkt vor uns von einem Gewitter kommt, welches bei offensichtlich ankündigendem, strahlend blauem Himmel und Sonnenschein aufzukommen droht. Ein Blick auf den Tacho lässt den Wunsch nach einem plötzlichen Spontan-Gewitter größer werden. In einem Anfall von leichter Aggression möchte ich am allerliebsten den Fahrradfahrer vor uns von seinem Rad stoßen. In absoluter Gemütlichkeit hat er anscheinend nichts Besseres zu tun wie, leicht gestresste Autofahrer in Eile, von ihrem weiteren Weg abzuhalten. „Der fährt doch mitten auf der Straße!“, stelle ich empört fest. „Genau! Das macht der bestimmt mit Absicht!“, entgegnet meine Tochter amüsiert. „Der will dich einfach nur ärgern!“ „Tssss!“, antworte ich nur und setze zu einem fragwürdigen Überholmanöver an. Ich nehme die letzte Kurve mit Schwung, rase die Straße entlang, um dann mit quietschenden Reifen vor der Schule zum Stehen zu kommen. 7:44 Uhr! „Pünktlich, wie die Deutsche Bahn!“, rufe ich und zwinkere meiner Tochter zu. „Danke Mama!“, entgegnet diese. „Das nächste Mal nehme ich den Bus!“

  • ... aus dem Leben und anderen Geschichten ... ... jetzt geht es los

    Ein kurzer Rückblick ... Alle Jahre wieder Nicht nur der Nikolaus kommt jährlich in der Adventszeit zu Besuch. Während der eine etwas bringt, nimmt der Andere etwas mit. Es erwischt mich jedes Jahr wieder aufs Neue unvorbereitet. Da steht man stark erkältet im Schlabberlook, mit zerzausten Haaren und geröteter Nase um eine wirklich unchristliche Zeit in der Küche. Der einzige Trost, der baldige Genuss einer Tasse Kaffee. Als es plötzlich an der Haustür klingelt. Ein Schreck durchfährt meine, eh' schon schmerzenden Glieder und voller Panik schaue ich erst einmal aus dem Fenster; es ist stockdunkel! Erst dann fällt mein Blick auf mein Spiegelbild, welches sich durch die, noch dunkle Scheibe des Fensters deutlich abzeichnet. Ein entschlossener Gedanke schiebt sich in mein Bewusstsein. Unter keinen Umständen werde ich in diesem desolaten Zustand freiwillig die Haustür öffnen. Es klingelt erneut! Panik steigt in mir auf und der kalte Schweiß bricht mir aus allen Poren. Da kommt mir die rettende Idee! Ich rufe nach meiner 10 jährigen Tochter und bitte sie für mich die Haustür zu öffnen. Gleichzeitig plagt mich ein ultra schlechtes Gewissen. Ich bin gerade dabei meine kleine Tochter eiskalt an einen, uns fremden Menschen, eventuellen Verbrecher, oder sogar Mörder auszuliefern, der es vielleicht auf unschuldige Mitbürger in der Adventszeit abgesehen hat. Noch zwischen dem Gefühl eine schlechte Mutter zu sein und dem Gedanken, dass dieses Opfer angesichts meiner derzeitigen Lage durchaus gerechtfertigt ist, hin- und hergerissen, höre ich die Stimme meiner Tochter. "Mama! Kommst du mal bitte!" "Mist!", denke ich. Ich atme noch einmal tief durch, fahre mir ein letztes Mal durch meine zerzausten Haare, um danach mit so viel Würde, wie ich mit Hüttenschuhe an den Füßen aufbringen kann, an die Haustür zu treten. Der schwarzgekleidete Mann vor der Tür schaut mich einen Moment von oben bis unten an und ich weiß sofort, dass ich ihn nicht leiden kann. "Der Schornsteinfeger!", sagt er überflüssigerweise. "Könnt ihr euch nicht wie normale Leute vor eurem Besuch anmelden?", schimpfe ich leise vor mich hin, um dann seufzend zur Seite zu treten. Während er sich einen Weg zum Dachboden bahnt, vorbei an dem alltäglichen frühen Chaos und meinen BH's, die fein in einer Reihe auf dem Wäscheständer hängen, gehe ich kopfschüttelnd zurück in die Küche. Bei einer Tasse Kaffee komme ich mit mir selbst wieder ins Reine und gehe in Gedanken meine positiven Affirmationen aus meinem Selbstliebe-Buch durch. Verweise meinem perfektionistischen Anteil die Schranken und lächele... :)

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