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  • Gefahr in Verzug

    „Auskuppeln... bremsen!“, schreie ich und drücke mit meinem rechten Fuß mit voller Kraft gegen das, mit Teppich ausgelegte Bodenblech meines Autos. Als könnte ich irgendetwas damit bewegen oder gar verändern, denn ich sitze nicht auf der Fahrerseite. Nein! Ich bin heute nur Beifahrer. Stiller Zeuge einer unheilverkündenten Situation. Okay, vielleicht nicht ganz still. „Auskuppeln und bremsen!“, schreie ich meine Tochter erneut an, die mit vor Anspannung geröteten Wangen neben mir sitzt. Endlich reagiert sie auf meine, in Dauerschleife gebrüllten Anweisungen und mein kleines rotes Auto kommt ruckartig zum Stehen. Was folgt ist Erleichterung auf beiden Seiten darüber, dass sich das kleine Mäuerchen noch einen Meter vom Kofferraum meines Fahrzeug entfernt befindet. „Interessant!“, stelle ich fest. Meine Tochter schaut mich fragend an. „Rückwärts kommst du wenigstens vorwärts... wenn da nicht die Problematik mit dem Bremsen wäre. Vorwärts geht es dafür eher sprunghaft voran, weil DU und die Kupplung bisher noch keine harmonische Beziehung zueinander aufbauen konntet. “ Wir müssen beide lachen. „Okay! Auf ein Neues!“, bestimme ich und versuche so viel Enthusiasmus und Zuversicht in meine Stimme zu legen, wie möglich. Wir befinden uns heute auf einem Übungsplatz in der Nähe von Forchheim. Als treusorgende Mutter bin ich auf die Idee gekommen meiner 16-jährgen Tochter das Autofahren ein wenig näherzubringen. „Soooo... und jetzt die Kupplung langsam kommen lassen... jaaa sehr gut... und jetzt etwas Gas... finde den Schleifpunkt...!“, erkläre ich und versuche ruhig zu bleiben, um meiner Tochter die nötige Sicherheit zu geben. Das Auto macht einen Hüpfer nach vorne und der Motor geht aus. „Der sch..... Schleifpunkt!“, ruft meine Tochter und lässt ihren Kopf auf das Lenkrad sinken. „Das schaffe ich nie!“ „Doch, das schaffst du schon!“, tröste ich sie. „Jeder fängt mal an!" Sie versucht es erneut und wir bewegen uns hüpfend einige Meter nach vorne, bevor der Motor erneut den Geist aufgibt. „Na das war doch schon ganz gut!“, stelle ich fest, während ich heimlich über den Sitz meines Autos streichele, um es zu trösten. „Mein armes Auto!“, denke ich und schenke meiner Tochter ein etwas gequältes Lächeln. „Kupplung loslassen... jetzt lass' doch um Gottes Willen die Kupplung los... ja genau... und jetzt mehr Gas!“ Endlich setzt sich das Auto in Bewegung und wir fahren im Schneckentempo und im 1.Gang den Weg entlang. „ICH FAHRE!“, ruft meine Tochter begeistert und strahlt über das ganze Gesicht. Ich lotse sie in einen Kreisverkehr und wir fahren gefühlte 100x im Kreis, bevor ich ihr die nächste Aufgabe gebe. „Jetzt gib ein bisschen mehr Gas und schalte mal in den 2. Gang!“, fordere ich sie auf. „Das kann ich nicht!“, entgegnet sie mir mit panischem Gesichtsausdruck. „Warum nicht?“, will ich irritiert von ihr wissen. „Ich fahre doch im Kreis!“, antwortet sie mir. „Ach so!“, sage ich und grinse, „Das ist natürlich ein Argument!" Nach einer Weile wollen wir auf einer geraden Strecke das Anfahren üben. Meine Tochter zögert. „Was ist los?“ will ich von mir wissen. „Ich lasse erst das entgegenkommende Auto vorbeifahren!“, erklärt sie mir. Ich schaue mich nach allen Seiten um. „Was für ein Auto?“ „Na das da!“, meine Tochter zeigt in eine Richtung links von uns. In der Ferne entdecke ich ein stecknadelkopfgroßes anderes Fahrzeug, was gerade in Begriff ist loszufahren. Jetzt muss ich lachen. „Jawohl! Wir warten besser noch ab! Nicht das wir mit diesem Auto kollidieren!“. „Du bist gemein!“, ruft meine Tochter empört, der mein ironischer Unterton nicht entgangen ist. Danach üben wir das Lenken durch ein unebenes Waldstück, welches dem Übungsplatz direkt angrenzt. Nach einigen Fast-Unfällen mit Bäumen, einem Holzstapel und einem morschen Baumstamm ist unsere Übungsstunde vorbei. Mein T-Shirt klebt an meinem Körper, mein Nacken schmerzt vom ständigen Schulterhochziehen und mein Herz klopft immer noch wie ein Presslufthammer. Ein Blick auf meine Tochter zeigt mir ein ganz ähnliches Bild. Wir tauschen die Plätze und erleichtert schnalle ich mich an. In diesem Moment gilt meine ganze Anerkennung und Hochachtung allen Fahrlehrern dieser Welt. Ich macht einen verdammt gefährlichen Job! „Hat doch gut geklappt!“, sage ich zu meiner Tochter als wir das Gelände verlassen.

  • Der Blog schläft...

    Liebe Leserin, lieber Leser Der Blog befindet sich ab heute im tiefen FeiertagS-UrlaubS-Schlummer. Nachdem ich Prag einen Besuch abgestattet und mich im Bayerischen Wald ein bisschen entspannt habe, erwarten Euch ab dem 19.06.25 wieder neue Geschichten.. Ich wünsche ALLEN von HERZEN eine sonnige und stressfreie Zeit...

  • The best of - Physiotherapie 2

    Verrenkungen Wir sitzen uns auf einem Gymnastikhocker gegenüber. „Und jetzt machen WIR eine Dehnung für UNSEREN Nacken!“, sage ich und bringe meinen Oberkörper in eine aufrechte Position. „Ziehen sie dazu das Ohr zu ihrer rechten Schulter!“, erkläre ich weiter. Der Patient greift mit seiner Hand an sein linkes Ohr und zieht dieses zur rechten Seite. Liebe Leser*innen The best of Physiotherapie geht in die 2.Runde Wie auch schon im vorherigen Blog, sind die Namen der Patienten verändert, die Ereignisse liegen größtenteils schon viele Jahre zurück, haben sich aber genauso zugetragen :) Der Sexunfall „Genau hier tut es weh!“, jammert die Patientin und streicht dabei über die Innenseite ihres Beins. „Wie ist denn das passiert?“, frage ich während meine Hand vorsichtig den verkrampften Muskelstrang abtastet. „Es war ein Gartenunfall!“. erklärt mir die Patientin eifrig und setzt sich auf der Massagebank auf. „Ich habe im Hang Sträucher geschnitten, bin dabei mit dem tiefer stehenden Fuß weggerutscht und habe einen halben Spagat hingelegt. Sie müssen wissen, es hatte am Vortag geregnet und die Erde war noch feucht.“, klärt mich die Dame weiter auf. Mit dieser Erklärung über den Unfallhergang zufrieden, widme ich mich nun ihrem Bein. Ich hole dazu eine Flasche Massageöl vom Fensterbrett und beginne den Muskelstrang vorsichtig auszumassieren. Aber die Patientin scheint mit ihrer Geschichte noch nicht ganz glücklich zu sein. In einer ausschweifenden und umfangreichen Erklärung beginnt sie mir detailliert zu beschreiben, wie es zu der Adduktorenzerrung gekommen ist. Verwundert über ihren Rededrang höre ich ihr zu und arbeite dabei schweigend weiter. Danach wird es kurz still im Behandlungsraum. Gerade will ich sie fragen, ob sie denn einen großen Garten zuhause hat, als sie sich kerzengerade aufsetzt. „Also gut! Ich gebe es zu! Es war kein Gartenunfall!“ Überrascht schaue ich sie an. „Ich wollte es ja eigentlich nicht erzählen, aber es ist beim Sex mit meinem Mann passiert. Wir haben da so eine neue Stellung ausprobiert und dabei ist es meinem Mann ins Kreuz gefahren und mir ins Bein!“ Im ersten Moment bin ich sprachlos. Damit hatte ich jetzt wirklich nicht gerechnet. „Das sind eindeutig zu viel Informationen!“, denke ich bei mir. Aber die Dame ist jetzt nicht mehr zu stoppen. Sie erzählt mir in allen Einzelheiten, wie sich der Unfall ereignet hat. „Schon gut!“, sage ich endlich. „Das kann ja mal passieren!“ Nun kann ich mir ein Lächeln nicht mehr verkneifen. Von meiner Reaktion motiviert fragt die Patientin: „Soll ich ihnen mal zeigen, wie wir das gemacht haben?“ „Nein DANKE!“, antworte ich. „Das ist wirklich nicht nötig!“ Gruppenzwang Für die Seniorengymnastik am Dienstag Vormittag haben sich 8 ältere Damen in der Praxis eingefunden. Wir stehen uns in einem Halbkreis im kleinen Gymnastikraum gegenüber. Ich mache die Übungen vor und die Gruppe turnt nach. „Was ist denn das für ein großer Fleck am Boden?“, denke ich bei mir. „Ist das Wasser?“ Ich BEUGE mich nach vorne, um den mysteriösen Fleck besser in Augenschein zu nehmen. „Nein, doch nur eine Lichtspieglung!“, stelle ich fest und richte mich wieder auf. Die restliche Gruppe BEUGT SICH RHYTHMISCH zur Musik immer wieder mit verdrehtem Oberkörper nach unten. Gymnastik auf griechische Art „Ich mag diesen Patienten wirklich nicht mehr behandeln!“, jammert die hübsche, junge Kollegin in der Mittagspause. „Was ist denn los?“, frage ich sie neugierig. „Der zieht sich bei der Massage immer bis zur Unterhose aus. Dann legt er sich nur mit einem knappen TANGA begleitet auf die Massagebank und macht während der Massage immer so anzügliche Bemerkungen!“ „So ein Idiot!“, stelle ich mitfühlend fest. „Wer ist ein Idiot?“ fragen Costa und Cordalis, die gerade den Pausenraum betreten. Meine junge Kollegin berichtet unseren zwei griechischen Arbeitskollegen nun ebenfalls von dem unliebsamen Patienten. „Wann kommt der Patient wieder?“, will Costa wissen. In der darauffolgenden Woche wartet der Patient schon voller Vorfreude im knappen TANGA auf die junge, hübsche Therapeutin. Die Tür geht auf und das griechische Therapeuten-Duo betritt den Behandlungsraum. „Wo ist denn Janina?“, will der Patient enttäuscht wissen. „Die ist nicht da!“, erklärt Costa. „Wir übernehmen heute die Behandlung!“, ergänzt Cordalis. „Heute gibt es keine Massage!“, erklärt Costa und wirft dabei einen Blick auf das Rezept des Patienten. „Ein paar Übungen würden ihrem Rücken ganz gut tun!“, ergänzt Cordalis. Der Patient will sich anziehen. „Nicht nötig!“, erklärt Costa, "Das geht auch im TANGA!" „Wir fangen mit dem Vierfüßlerstand auf der Bank an...“, ergänzt Cordalis. »... und jetzt den Po weit nach hinten schieben...!" Zur Erklärung: Der Vierfüßlerstand ist eine Körperhaltung, die auf Händen und kniend ausgeführt wird... Neulich beim Gymnastikkurs „Wie war denn das Wetter letzte Woche auf Kreta!“, fragt eine Kursteilnehmerin eine andere. „Keine Ahnung!“, antwortet die sonnengebräunte Dame. "Wieso weißt du das nicht!", fragt die Erste verwundert. „Auf Mallorca war das Wetter spitze!“, antwortet die andere.

  • The best of - Physiotherapie

    Missverständnisse „Ich habe heute ein Zelt in der Unterhose!“, höre ich den Patienten zu meiner Kollegin in der Nachbarkabine sagen. „Das macht doch nix!“, antwortet meine Kollegin kichernd. Vor lauter Überraschung unterbreche ich meine Massage und lausche. Mein eigener Patient hebt den Kopf und schaut mich fragend an. Ich bedeute ihm mit einer Gestik still zu sein und lege mein Ohr an die Holztrennwand der Kabine. Lautes Atmen, ansonsten Totenstille. Mein Kopfkino arbeitet auf Hochtouren... Später in der Pause schaue ich meine Kollegin in der Teeküche über meine Tasse hinweg misstrauisch an. „Sag mal, was war denn das für ein widerlicher Typ, den du vorhin behandelt hast?“ Meine Kollegin schaut mich verwundert an: „Was für ein Typ?“ „Na der mit dem Zelt in der Unterhose!“, antworte ich ihr. „So ein Wüstling... und du sagst auch noch, dass es dir nichts ausmacht!“ Es dauert einen Moment bis sie mir folgen kann. Dann fängt sie lauthals an zu lachen. „Ach so! Du meinst Herr Müller! Ein netter älterer Herr, der heute eine viel zu große Unterhose anhatte. Er sagte: „Ich habe heute ein Zelt als Unterhose!“, stellt sie lachend klar. Liebe Leserin, lieber Leser Heute erzähle ich über ein paar sehr lustige, teil wirklich verrückte Begebenheiten aus den verschiedensten Praxen und Kliniken, in denen ich die letzten 20 Jahren als Physiotherapeutin gearbeitet habe. Die Namen der Patienten sind abgeändert, aber die Geschichten haben sich wirklich so zugetragen. Viel Spaß beim Lesen :) Gefangen im Schlingentisch „Ich hänge sie zum Entspannen noch ein bisschen in den Schlingentisch!“, sagt meine Kollegin zu Herr Meier, während sie die Seile mit den Schlaufen fixiert. Herr Meier ist chronischer Schmerzpatient, ein wenig korpulent und schon etwas älter. Mit der Ganzkörperaufhängung des Patienten zufrieden verlässt meine Kollegin kurze Zeit später den Raum, schließt die Tür und geht zum nächsten Patienten. Eine halbe Stunde später hat sie Feierabend und verlässt die Praxis, in der sie an diesem Tag, wegen der Urlaubszeit alleine gearbeitet hat. „Hilfe! Hilfe!“ Verwundert stellt die Reinigungskraft am frühen Abend nach Betreten der Praxis ihren Eimer und Bodenwischer ab. „IST HIER JEMAND? HILFE!“ Als sie die Tür zum Schlingentisch-Raum öffnet trifft sie vor Schreck fast der Schlag... Anmerkung: Der Patient hat den Vorfall ohne größeren Schaden überlebt und auf eine Anzeige verzichtet. Er ist jetzt Patient in einer anderen Praxis. Voller Einsatz „OH JA! GENAU DA!“ Die tiefe Bassstimme des Patienten erfüllt den gesamten Raum. „SIE HABEN GOLDENE HÄNDE!“, stellt er weiter fest. „OH JA... DAS TUT GUT! NOCH ETWAS FESTER!“ Nervös lächelnd schaue ich in Richtung Tür. „Wahrscheinlich hört gerade die ganze Praxis mit!“, denke ich bei mir, als mein Patient einen weiteren Laut der Verzückung von sich gibt. „DAS IST GENAU DIE STELLE! ES TUT SOOO WEH... ABER ES TUT AUCH SOOOO GUT!“, schreit der Patient weiter. „Oh wie peinlich!“, denke ich bei mir und schaue wieder zur Tür. Dahinter höre ich leises Flüstern und Gekicher. „JAAAAA! JAAAA! JAAA!“ „Herr Bauer! Ich freue mich ja, dass ihnen meine Behandlung so gut tut! Aber könnten sie vielleicht ein bisschen leiser...!“ Nach der Behandlung öffne ich erleichtert die Zimmertür und verlasse mit geröteten Wangen den Behandlungsraum. Gefolgt von einem selig grinsenden Herr Bauer... Ein wartender Patient schaut mit offenem Mund von seiner Zeitschrift auf. „Ich will genau die gleiche Behandlung!“, sagt er. Das Bonbon Die Dame legt sich bäuchlings auf die Massageliege und steckt ihren Kopf in die dafür vorgesehene Öffnung auf der Bank. Wir unterhalten uns gerade, als meine Patientin erschrocken den Kopf hebt. „Ich habe mein Bonbon verloren! Das ist mir jetzt aber peinlich!“, sagt die Patientin verlegen. „Nicht schlimm!“, stelle ich fest und hebe es vom Boden auf. „Wollen sie es wieder zurück?“, frage ich grinsend. „Nein... Danke!“, antwortet sie mir lachend. Ein Vollbad in voller Länge „Passt die Temperatur so?“, fragt Praxisinhaber Klaus K. den Patienten. „Alles bestes!“, bestätigt der Mann, schließt die Augen und taucht bis zum Hals in das warme Wasser ab. „Ich schalte jetzt den Strom dazu! Bleiben sie bitte im Wasser liegen bis ich wieder zurückkomme. Steigen sie auf gar keinen Fall vorzeitig aus der Wanne!“, warnt der Therapeut und befestigt einen Klingelknopf am Badewannenrand. Zweieinhalb Stunden später... In der Wohnung über der Praxis lässt sich Klaus K. das Mittagessen seiner Frau schmecken. Plötzlich setzt er sich kerzengerade auf. Der Esslöffel fällt mit einem lauten Klirren zurück in den Teller. Ohne ein weiteres Wort stürmt er aus der Wohnung und eilt in die Praxis im Erdgeschoss. Als er die Tür zum Stangerbad öffnet liegt der Patient friedlich schnarchend im mittlerweile kalten Wasser. Ein Traum in Pink Herr Schmidt arbeitet schon seit 30 Jahren auf dem Bau, ist ein etwas wortkarger, aber freundlicher Mann und schon ein paar Mal wegen eines Hüftleidens bei mir in Behandlung gewesen. Nach einigen Gymnastik-Einheiten schlage ich ihm beim nächsten Termin eine Massage für den Beckenbereich und unteren Rücken vor. In der darauffolgenden Woche erscheint er pünktlich in der Praxis und ich schicke ihn schon in einen der Therapieräume mit Massagebank. Als ich kurze Zeit später das Zimmer betrete erlebe ich eine rosa Überraschung. Herr Schmidt hat sich bereits komplett ausgezogen und liegt, nur mit einem pinkfarbenen Tanga bekleidet auf der Massageliege. Beim Anblick des Häschens auf der Vorderseite des knappen Teils ist es mit meiner Selbstbeherrschung fast vorbei. Ich weiß nicht, ob ich über den exklusiven Anblick Lachen oder Weinen soll. Nie im Leben hätte ich solch eine Unterwäsche bei diesem Patienten vermutet. Ich beginne mit der Massage, bemüht nicht ständig auf das Häschen zu schauen, welches meinen Blick fast magnetisch anzieht. Als ich es nicht mehr aushalte, bitte ich den Patienten sich umzudrehen. Ein großer Fehler, wie ich kurz darauf feststelle. Neulich beim Gymnastikkurs „Wie groß ist den der Teich in deinem Garten?“, fragt eine Kursteilnehmerin eine andere. „Der ist schon recht groß!“, antwortet diese unbestimmt. „Und, schwimmen da auch Fische drin?“, mischt sich eine andere Dame ins Gespräch ein. „Ja!“, entgegnet die Teichbesitzerin. „Was sind denn das für Fische?“, fragt wieder die erste Dame. „Ach nix besonders!“, überlegt die Teichbesitzerin. „Das sind so stinknormale Wald- und Wiesenfische!“ An dieser Stelle liebe Grüße an Agnes... :) Fortsetzung folgt...

  • Verstaubte Erinnerungen

    „Guten Tag Frau Kürbiskopf!“ „Guten Tag Frau Zwiebelschale! Wie geht es Ihnen?“ „Danke der Nachfrage! Sehr gut, nur mein Rheuma plagt mich heute wieder ganz besonders... muss am Wetter liegen! Sie wissen schon.“ „Ich weiß meine Liebe! Was möchten Sie einkaufen?“ „Ich bekomme heute Besuch zum Kaffee – es ist der Geburtstag von meiner Enkelin...! Haben Sie den einen Kaffee da? Sie wissen schon, der in der blauen Verpackung, den ich auch schon letzte Woche bei Ihnen gekauft habe.“ „Selbstverständlich meine Liebe! Hier, bitte schön! Möchten sie auch noch ein paar vertrocknete Kekse dazu? Die sind heute im Angebot!“ „Sehr gerne! Vielen Dank! Was kostet das alles zusammen?“ „27 Euro und 45 Cent, bitte!“ „Was 27 Euro, das ist aber ganz schön teuer!“ „Also gut, dann geben Sie mir 1 Euro!“ „Schon besser! Hier... Bitteschön!“ „Dankeschön!“ „Auf Wiedersehen!“ „Auf Wiedersehen! Und grüßen Sie mir den Herrn Gemahl!“ Ein leichtes Lächeln umspielt meine Lippen, als ich an die vielen Einkäufe im Kaufladen meiner Tochter denke. Sie hatte das Teil von mir zu ihrem 3. Geburtstag bekommen und es verging fast kein Tag, ohne das wir damit gespielt haben. „Eine schöne Zeit!“, denke ich ein klein bisschen wehmütig, während ich die vielen Verpackungen und eine kleine Kasse mit Spielgeld zurück in die Kartonage stelle. Morgen werde ich den Kaufladen einer Patientin von mir mitbringen, sie hat eine Enkelin im gleichen Alter. „Wieder ein Teil weniger!“, denke ich und widme mich der nächsten Kiste. Es ist ein offenes Geheimnis, dass ich Ende des Jahres Umziehen werde. Eine kleine Insel mitten in der Nordsee hat es mir angetan und ich wage dort noch einmal einen kompletten Neuanfang. Es ist nur so, dass ich mich verkleinern muss. Genauer gesagt muss alles was ich besitze, alle Möbel, mein gesamter Hausstand in einen Kleintransporter passen. So beherrschen meinen Alltag zurzeit ganze 2 FRAGEN: Was brauche ich? Was kann weg? In einem Satz: „Ich stelle zurzeit mein ganzes Leben auf den Prüfstand!“ Jede Kartonage aus dem Keller und Dachboden bringt eine weitere verstaubte, teils längst vergessene Erinnerung zu Tage. „Sag Tschüss zu Osterhasi, Nikolausi und Co.!“, sage ich zu meiner Tochter während ich eine Figur nach der anderen in den Mülleimer fallen lasse. Es macht Spaß in seinem Leben einmal richtig aufzuräumen, es bringt ErLEICHTerung, ja LEICHTigkeit mit sich. An manchen Tagen geht es mir LEICHT von der Hand, an anderen Tagen schwingt ein bisschen Wehmut mit. „Mein Skateboard bleibt aber hier!“, bestimmt meine Tochter und drückt sich das lange Brett mit vier Rollen noch etwas fester an die Brust. „Wieso?“, frage ich erstaunt. „Willst du damit frühs in die Schule fahren, oder weswegen willst Du es nicht wegwerfen?“ Sie wirft mir einen nervösen Blick zu. „Jetzt fühle ich mich unter Druck gesetzt!“, jammert sie. „Schon gut!“, antworte ich, „dann behalte es halt noch ein bisschen. „Wenn Du die Rollen abschraubst, kannst Du es auf der Nordsee noch als Surfbrett benutzen!“, empfehle ich ihr mit einem Augenzwinkern. Als ich auf dem Dachboden eine flache, große Kartonage finde, kommt mir eine gute Idee. Im Wohnzimmer angekommen befülle ich sie mit meinen alten CDs, DVDs und einigen Büchern, die ich nicht mehr brauche. Auf den Deckel schreibe ich in großen Buchstaben „Zu Verschenken!“ und stelle den Karton bevor ich zur Praxis fahre vor die Tür. Zwei Stunden später schreibt mir mein Nachbar: „Voller Erfolg! Da war gerade einer da, der hat den kompletten Inhalt mit samter Kartonage mitgenommen!“ Jetzt muss ich lachen. Um den Inhalt tut es mir nicht leid, aber um den Karton schon. Denn der war wegen seiner Höhe und Breite als Geschenke-Box perfekt gewesen. Auch ein 12- teiliges Goldrandservice findet den Weg an den Straßenrand. Kurze Zeit später ist es weg. Seit einer Stunde sitze ich in meinem Zimmer auf dem Boden, in den Händen halte ich ein altes Tagebuch. Fasziniert lese ich von emotionsgeladenen Situationen aus meinem Leben als 16- Jährige. Ich muss schmunzeln. Hauptsächlich ging es um Jungs, Herzschmerz, und andere Liebesangelegenheiten. „Meine Güte! Die meiste Zeit war ich heimlich verliebt, unglücklich verliebt, oder schon wieder getrennt, bevor es richtig angefangen hatte. Neue Menschen treten in dein Leben, manche bleiben kurz, manche länger, ein paar wenige für immer. Momentan kommt mir dieser Wechsel sehr intensiv vor. Ich habe das Gefühl, dass ich zurzeit auch im zwischenmenschlichen Bereich große Veränderungen anbahnen. Mancher Abschied kommt völlig überraschend, bei manchen Menschen fühlt es sich eher, wie ein sanftes Ausschleichen an. Überraschenderweise kommen aber auch alte Bekannte zurück und längst vergessene Freundschaften erfahren eine Wiederbelebung. Das macht mich gerade sehr glücklich! Eine Handvoll Personen werden bleiben, die finden in meinem Kleintransporter in Richtung Norden einen Platz. Manche reisen nur in meinem Herzen mit... bereit für ein Wiedersehen. Unter Ächzen und Stöhnen ziehen meine Tochter und ich eine besonders große und verstaubte Kartonage aus einer Nische des Dachbodens hervor und öffnen den Deckel. Das spärliche Licht der Glühbirne fällt auf den Inhalt der Kiste: „Das wir das noch haben! Das haben wir ja völlig vergessen!“, stellen wir überrascht fest.

  • 1.Mai

    Ich wünsche Euch einen sonnigen und entspannten Feiertag

  • Das erste Bier

    „Mama, ich würde gerne mal ein Bier trinken!“ Überrascht schaue ich von meinem Buch auf, mit dem ich es mir gerade auf der Couch gemütlich gemacht habe. „Ein Bier?“ „Ja, ein Bier!“, wiederholt meine Tochter ihre Bitte. Als sie meinen irritierten Gesichtsausdruck sieht fügt sie hinzu: „Es steht bald eine Party an und da wird auch Bier getrunken. Ich habe überhaupt keine Ahnung, OB ich Bier vertrage und WIEVIEL ich davon vertrage!“ Sie schaut mich mit leicht verzweifelten Gesichtsausdruck an. „Außerdem habe ich von Bier überhaupt keine Ahnung!“, . „Das beruhigt mich!“, antworte ich ihr ehrlich. „Von Schnaps schon... nur von Bier halt nicht!“, erklärt sie mir und grinst verschmitzt. „Na dann ist doch alles gut! Dann trinkst du den Schnaps und lässt die anderen das Bier trinken!“, kontere ich und grinse nun ebenfalls. Am nächsten Tag gehen wir zusammen Einkaufen. Wir besorgen Lebensmittel für das anstehende Wochenende und danach machen wir noch einen Abstecher in den Getränkemarkt. Kurze Zeit später stehen wir vor einem, gefühlt kilometerlangen Regal mit einer Vielzahl an verschiedenen Biersorten. Meine Tochter kratzt sich nachdenklich am Kopf: „Und was nehmen wir da jetzt?“ „Ich würde sagen, VON ALLEM ETWAS!“, entscheide ich. An der Kasse komme ich mir vor, wie ein „Vollalki“ auf Entzug. Verschämt bezahle ich und verstaue die einzelnen Flaschen in einem mitgebrachten Korb. Zuhause angekommen stelle ich die Flaschen kühl und lade ein paar weitere Personen zum bevorstehenden Spektakel ein. Zur Bierprobe am Samstag bei uns Zuhause sind erschienen, ein Oberfranke, ein Ossi, ein BierAnfänger und ein BierNichtMöger. Aus Datenschutzgründen und aus Gründen der Privatsphäre werden hier keine Namen bekanntgegeben. Der Oberfranke greift zielsicher zu einem „Schlöbberla“ von einer bekannten Brauerei aus Forchheim. Der Ossi nimmt ein Helles und ich und meine Tochter entscheiden uns für ein Desperados. „Wie kann man den so ein übles Gesöff überhaupt trinken? Gib dem Mädel mal ein gescheites Bier!“, stellt der Oberfranke entrüstet fest und nimmt einen großen Schluck aus seiner Bierflasche. Mit einem skeptischen Seitenblick auf den Oberfranken sagt der Ossi: „S-C-H-L-Ö-B-B-E-R-L-A...Was ist das denn? Was ich nicht aussprechen kann, trinke ich auch nicht!“ „Ich mag ja eigentlich gar kein Bier...“, werfe ich dazwischen ein. „... bin ja mehr der Weintrinker!“ „Das mexikanische Bier schmeckt ganz gut!“, stellt meine Tochter fest. „Es kommt gar nicht aus Mexiko, sondern aus Tschechien!“, erkläre ich, nachdem ich das Etikett auf der Flasche genauer studiert habe. Zwei Stunden später... Mittlerweile haben wir uns eine Familienpizza beim Pizzabäcker unseres Vertrauens bestellt. „Es ist nicht schlimm Alkohol zu trinken, wenn man es als Genuss versteht und nicht sinnlos in sich hineinschüttet!“, erkläre ich meiner Tochter kauend. „Es ist gut, wenn Du deine Grenzen kennst!“ „Genau!“, pflichtet mir der Oberfranke bei und greift mit leicht glasigen Augen und glückseligem Lächeln zum vierten Bier. „Außerdem gibt es ja auch alkoholfreie Alternativen!“, sagt der Ossi und hält meiner Tochter ein Jever Fun Grapefruit unter die Nase. „Jever!“, sagt der Oberfranke und schaut mit angewidertem Gesichtsausdruck auf die kleine grüne Flasche. Der Ossi schwelgt derweil in Erinnerungen. „In der DDR gab es Aubi Bier, das erste deutsche alkoholfreie Bier, das bei uns entwickelt wurde. Mein Lieblingsbier war das Lübzer Bier, welches in Lübz in Mecklenburg Vorpommern gebraut wird. Und dann gab es noch den „Pfeffi - ein Pfefferminzlikör“, schweift er ein bisschen ab. Jetzt schüttelt es mich. „Pfefferminzlikör... Pfui Teufel!“ Es wurde noch ein sehr lustiger Abend... „Und?“, frage ich zu späterer Stunde. „Was hat dir jetzt am besten geschmeckt?“ „Das Jever Fun mit Grapefruit!“, findet meine Tochter.

  • Heute kein neuer Blog...

    ... dafür bald mein neues Buch. Voraussichtlich Ende nächster Woche wird mein neues Buch "Achtung Rübenräuber! Die süße Rettung" im Online-Handel erhältlich sein. Ich freue mich schon so sehr darauf! Bis dahin heißt es Abwarten... Und hier schon mal ein kleiner Einblick für die ganz Neugierigen unter uns. ... In diesem Moment wusste ich, dass es keine gute Idee gewesen war hier herzukommen und ich wich hastig einen Schritt zurück. Aber Konrad war schneller. Sein Arm schnellte vor und er packte mich an meinem T-Shirt. Verzweifelt versuchte ich mich loszureißen, indem ich wild um mich schlug. Aber mein Kampf war aussichtslos und meine Gegenwehr zwecklos. Konrad zog mich mit Leichtigkeit und ohne große Anstrengung ins Haus. Das letzte was ich noch in meiner Panik erken­nen konnte, war das untere Ende der Treppe. Vera war, wie vom Erdboden verschwunden. „So, so! Ein Angebot also...!“ Ich saß auf einem Stuhl und Konrad stand mir, lässig an eine Kom­mode gelehnt, gegenüber. „Dann lass` mal hören!“ Mein Mund war, wie ausgedorrt und der Kloß in meinem Hals war mittlerweile zu der Größe einer Zitrone angeschwollen. Ich schluckte trocken und räusperte mich erneut. „In was für eine Situation hatte ich mich nur gebracht? Wieso hatte ich nicht auf Anton gehört? Und wo war Vera abgeblie­ben?“ In meinem Kopf rasten die Gedanken und es fiel mir unendlich schwer nur einen vernünfti­gen Satz von mir zu geben. Angst lähmte mich und schnürte mir die Kehle zu. Ich versuchte abzuwägen, ob es besser war zu schweigen, oder hilfreich, wenn ich ihm sagte, was wir über ihn wussten und warum ich hier war. Ich entschied mich für die Flucht nach vorne. „Wir wissen von dem Betrug!“, brachte ich krächzend hervor, während mein Herz, wie wild in meiner Brust schlug. Als mich Antons Onkel verständnislos ansah fuhr ich fort. „Der Stick mit der Tabelle!“ Es dauerte einen Moment bis er begriff und Erstaunen machte sich auf seinem Gesicht breit. Mit ungeheuerlicher Geschwindigkeit, die ich ihm gar nicht zugetraut hätte war er bei mir und zog mich an meinem T-Shirt vom Stuhl. „Was sagst du da?“, rief er mit unterdrücktem Zorn. „Welchen Stick meinst du?“ Ich brachte vor lauter Angst kein Wort über die Lippen. „Rede!“, schrie er mich an und Spucke flog ihm dabei aus dem Mund. „Der im Treppengeländer versteckt war!“, brachte ich nur noch flüsternd heraus. Meine Beine hatten unkontrolliert angefangen zu zucken und er ließ mich, wie eine Stoffpuppe auf den Stuhl zurückgleiten. Sein Blick huschte zur Treppe: „Was willst du?“, er wirkte auf einmal ganz ruhig, was mich aber nur noch mehr in Alarmbereitschaft versetzte. „Dass du die Rübenräuber in Ruhe lässt!“ „So, so! Darum geht es also!“ „Wer weiß außer dir von dem Stick?“, fragte er weiter, sein Blick schien mich regelrecht zu durchbohren. Wieder überlegte ich hektisch, was ich antworten sollte. Was war in dieser Situation vernünftig? „Niemand!“, antwortete ich und hoffte, dass sich meine Stimme glaubwürdig anhörte. Antons Onkel schien zu überlegen, dann sagte er: „Wo ist der Stick jetzt?“ „Bei mir zu Hause!“, log ich. Für einen Moment starrte er mir noch durchdringend in die Augen, dann stand er entschlossen auf. „Gib mir dein Handy!“, sagte er und streckte fordernd seine Hand aus. Widerwillig gab ich es ihm. Ohne ein weiteres Wort packte er mich am Arm, öffnete am anderen Ende des Raumes eine Tür und stieß mich hinein. „Wenn du ruhig bleibst, werde ich dir nichts tun!“, sagte er und schloss die Tür hinter mir. Kurz darauf hörte ich, wie ein Schlüssel im Schloss herumgedreht wurde. Augenblicklich war es finster in dem kleinen Raum und es dauerte ein paar Minuten, bis sich meine Augen an die Dunkelheit gewöhnt hatten. Es fiel gerade mal so viel Licht durch den Türspalt und das Schlüsselloch herein, dass ich erkennen konnte, wo ich mich befand. Es war ein kleiner recht­eckiger Raum, der mit Gerümpel vollgestellt war. Vorsichtig tastete ich mit den Händen die Wände ab. Nachdem ich zweimal mit meiner Hand mit angewidertem Gesichtsausdruck in ein Spinnennetz gegriffen hatte, fand ich endlich eine Schnur. Ich zog daran und in der Ecke des kleinen Raumes leuchtete eine Glühbirne auf. Ich befand mich in einer Abstellkammer. An den Wänden standen niedrige Regale, auf denen allerlei Konserven, Gläser und Flaschen standen. In der Ecke stapelten sich Tetrapakete mit O-Saft, Milch und stapelweise Küchenrolle und Taschentücher. „Verhungern, oder verdursten muss ich schon einmal nicht!“, stellte ich fest und lauschte mit ei­nem Ohr an der Tür. Aber von draußen drangen keine Geräusche zu mir hinein und mutlos ließ ich mich auf den Boden sinken. Ich dachte an meine Eltern, an meine Mutter. Wann würden sie mich vermissen. Ich vergrub den Kopf in meine Hände und ließ meinen Tränen endlich freien Lauf...

  • Platz für Chaos

    Es ist am frühen Nachmittag an einem unspektakulären Mittwoch, als ich die letzten Handgriffe für das Mittagessen erledige. Ich schütte die fertig gekochten Nudeln in ein Sieb, rühre ein letztes Mal die Tomatensauce um und verfeinere den Salat noch mit ein paar frischen Kräutern. Gut gelaunt und mit jeweils einem vollen, dampfenden Teller in der Hand verlasse ich die Küche und steuere den Esstisch an. Da fällt mein Blick auf das Platzdeckchen, welches den Platz meiner Tochter ziert. Ärgerlich stelle ich meinen Teller auf meiner Seite ab und bleibe für einen Moment unschlüssig mit dem anderen Teller vor dem Tisch stehen. „Kein Platz! Was für ein Chaos!“, denke ich frustriert und seufze laut. Es ist immer dasselbe! Der Platz meiner Tochter gleicht einer Müllhalde. Da tummeln sich zwischen benutzten Gläsern und Tassen, zerknüllte Servietten, ihr Taschengeld, welches sie von mir Anfang der Woche ausgezahlt bekommt, Kugelschreiber, Schulsachen, Kaugummis und andere Dinge. An den wenigen freien Zwischenräumen findet sich je nach Wochentag gleich mehrere der Vitamin B-Tabletten, die sie eigentlich täglich einnehmen soll. Natürlich nimmt sie die Kapseln in aller Regelmäßigkeit NICHT ein und sie vergisst auch die schmutzigen Tassen in den Geschirrspüler einzuräumen. Und überhaupt... meiner Tochter scheint zurzeit an einer unerklärlichen Art von, immer wiederkehrender Erinnerungslosigkeit einem, nennen wir es mal pubertären Gedächtnisschwund zu leiden. Ursächlich für diese präzise, mütterliche Diagnose sind einige Auffälligkeiten in ihrem derzeitigen Verhalten. Dazu zählen zum Beispiel, das hartnäckige Horten von Tupperwaren verschiedenster Größen in ihrem Zimmer. Dies fällt immer erst dann auf, wenn sich keine Behältnisse mehr finden, in der ich ihr Pausenbrot verstauen kann. Nach betont höflicher Anfrage erhalte ich am frühen Morgen gleich 20 Brotboxen auf einmal. Die Wiedersehensfreude hält sich dann beim Anblick der verschmutzten und verkrusteten, teils stinkenden bunten Dosen allerdings in Grenzen. Genauso verhält es sich mit schmutzigem Geschirr. Ein Blick durch die Zimmertür ins ewige Chaos lässt mich auf einen Schlag die Hälfte unseres Geschirres wiederentdecken. Auf die dringliche Bitte von mir, Selbiges zügig zurückzubringen, bekomme ich nach Ablauf von weiteren Tagen gnädigerweise zwei Tassen und ein Glas in die Küche gebracht. Auf die Frage, wo denn der Rest des Geschirres sei, folgt nur ein verständnisloser Blick. Gehe ich dann mit meiner Tochter an der Hand in ihr Zimmer und weise stumm auf die 150 anderen Tassen, Teller und Gläser, ist die normale Reaktion: „Ach das meinst du!“ Die Sache mit dem Müll... „Nimmst du bitte den Müll mit raus?“, frage ich meine Tochter vor der Schule. „Mach' ich!“, schallt eine fröhliche Stimme aus ihrem Zimmer. Als ich eine Stunde später die Wohnung verlasse, steht der Müll noch in der Küche. Seufzend trage ich ihn raus. Eine Woche später... „Nimmst DU bitte den Müll mit raus?“ „Na klar!“, antwortet mir meine Tochter während sie ins Bad geht. Ich stelle den Müllbeutel in den Gang vor die Haustür. Als ich eine Stunde später die Wohnung verlassen will, falle ich fast über den Müllsack, der noch im Gang steht. Eine weitere Woche später... Das gleiche Spiel... Wieder eine Woche später... Ich lauere mit dem Müllsack in der Hand in der Abstellkammer und spähe durch die leicht geöffnete Tür in den Gang. Ich warte... Als meine Tochter den Gang betritt und ihre Schuhe anzieht springe ich aus der Abstellkammer in den Gang, mit dem Müllsack in der Hand fuchtele ich wild vor ihrem Gesicht hin und her. „NIMMST DU BITTE DEN MÜLL MIT RAUS?“ „Was ist eigentlich falsch mit DIR?“, raunzt mich meinte Tochter an. Kopfschüttelnd nimmt sie mir den Müllsack aus der Hand und verlässt die Wohnung. Mit hocherhobenem Haupt schreite ich zurück in die Küche und feiere meinen Teilsieg mit einer weiteren Tasse Kaffee. Schon vor längerer Zeit habe ich angefangen das Zimmer meiner Tochter nicht mehr als, zu der Wohnung dazu gehörigen Raum zu betrachten. Es ist vielmehr ein isolierte Kammer irgendwo im Universum. Mit dieser Einstellung gelingt es mir die meiste Zeit großzügig über das immerwährende Chaos darin hinwegzusehen. Sonst würde es zwangsweise zu einer immensen Kollision zwischen meiner perfektionistischen Art und zugegebenermaßen, manchmal übertriebenen Ordnungssinn und den etwas weniger perfekten Vorstellungen meiner - ansonst so wunderbaren :) - Tochter kommen. Ich stelle den vollen Teller mitten auf das Sammelsurium an Dingen auf ihrem Platzdeckchen ab und setze mich an den Tisch. Kurz darauf kommt sie auf mein Rufen aus ihrem Zimmer, setzt sich an ihren Platz und fängt an zu essen. Erwartungsvoll schaue ich meine Tochter an. Keine Reaktion! Ich versuche es ein letztes Mal: „Ist dein Platzdeckchen so eine Art repräsentative Vorschau auf dein Zimmer?“ Ein verständnisloser Blick ist die Antwort.

  • Backe, backe ... Kekse!

    Meine Tochter schaut mich an. Die Augen vor Schreck weit aufgerissen, zeichnen sich die unterschiedlichsten Gefühlsregungen auf ihrem Gesicht ab. Eine Mischung aus ängstlichem Abwarten, Sorge und einem Anflug von Panik. Es ist ganz still – Die Küche ist erfüllt von einer spannungsgeladenen Atmosphäre. Ich begegne ihrem Blick, nehme ihre Anspannung war und realisiere wie verrückt diese Situation gerade ist. Anstatt auszurasten, spüre ich tief in meinem Bauch eine ganz andere Gefühlsregung. Erst ist es ein zartes Lächeln was sich langsam in mir ausbreitet. Es geht über in ein Glucksen und schnaubend atme ich aus. Dann kann ich es nicht mehr unterdrücken und ich lache los. So sehr, dass mir die Tränen in die Augen steigen. Meine Tochter ist erst kurz überrascht, bevor sie mit mir einstimmt. Wir lachen bis uns die Bäuche weh tun. „Das glaubt mir kein Mensch!“, presse ich zwischen zwei Lachern hervor. Aber was war passiert? Ich spule die Geschehnisse noch einmal eine Stunde zurück... „Wiegst du mir 200 Gramm Zucker ab“, frage ich in Richtung meiner Tochter, während ich mich abmühe vier Eier von Dotter und Eiweiß zu trennen. „Kommt sofort!“, antwortet sie mir gut gelaunt. Es ist Samstag, wir stehen zusammen in der Küche und versuchen uns an einen neuen Keks-Rezept, welches ich von einem meiner PatientINNEN bekommen habe. Es liest sich sehr gut und wurde mir von der Dame als, „Das sind die besten Kekse aller Zeiten“ angepriesen. Voller Begeisterung und Vorfreude wiegen wir die einzelnen Zutaten ab, rühren alles in einer großen Schüssel zusammen und vergessen auch nicht in regelmäßigen Abständen vom Teig zu naschen. Die Kekse bestehen aus einem Boden, einem Deckel, die mit einer dazwischenliegenden Schokoladencreme zusammenhalten. Um die Creme auf die Kekse zu bekommen überlege ich mir den Spritzbeutel zu benutzen, der immer noch original verpackt in einer der Schubladen herumliegt. Ich ziehe den Beutel aus der Verpackung und schraube die passende Tülle auf die dafür vorgesehene Spitze. Dann kann es losgehen... Mit einem Esslöffel fülle ich die leicht gekühlte Schokoladencreme in den Spritzbeutel ein und drücke die Masse, wie auf der Anleitung beschrieben nach unten Richtung Tülle. Voller Erwartung schaue ich auf den ausgewählten Keks, den ich mit der Creme befüllen will. Nichts passiert! Ich drücke fester, aber es passiert immer noch nichts! Ich hebe den Spritzbeutel an um zu überprüfen, ob die Tülle verstopft ist. Es scheint alles in Ordnung zu sein. Ich starte den dritten, dann den vierten Versuch... Nachdem ich noch einmal ganz fest gedrückt habe, muss ich mir eingestehen, dass irgendetwas nicht stimmt. Ich laufe zum Besteckkasten und hole eine Stricknadel daraus hervor. Damit stochere ich in der Tülle herum, danach versuche ich es ein weiteres Mal. Ein armseliger Klecks Schokoladencreme findet den Weg vom Beutel auf den Keks. Davon motiviert drücke ich nun mit voller Kraft, aber das gewünschte Ergebnis bleibt aus. „Mama!“, ruft meine Tochter plötzlich. Irgendetwas in ihrer Stimme lässt mich aufhorchen und ich schaue von den Keksen hoch. Ich folge ihrem Blick und erstarre. Von mir unbemerkt hat ein Großteil der Schokoladencreme den Spritzbeutel verlassen, allerdings nicht so, wie ich es gehofft hatte. Überall in der Küche verteilt befindet sich die Schokoladencreme. Auf der Theke, in der noch geöffneten Schublade, an der Küchenfront, an meiner Kleidung und auf den Fliesen. Braune Schuhabdrücke zieren nahezu den gesamten Küchenboden. Ich erstarre. Mein Blick fällt auf meine schokoladenverschmierten Hände bis zu meinen vollgetropften Schuhen. Einen Moment lang kann ich überhaupt nicht begreifen, was da gerade passiert ist. Von uns unbemerkt, weil unsere volle Konzentration bei den Keksen lag hat es, nachdem die Creme allmählich Zimmertemperatur angenommen hatte, die Füllung am anderen Ende des Beutels herausgedrückt Der Schuss ging im wahrsten Sinne des Wortes nach hinten los. Das Chaos war unbeschreiblich. Und so kommen wir wieder zum Anfang der Geschichte zurück. Nachdem wir uns ausgelacht hatten und die Küche halbwegs sauber war, holte ich die restliche Füllung aus dem Beutel und meine Tochter verteilte sie mittels eines Kaffeelöffels auf den Keksen, der Spritzbeutel wanderte, so wie er war in hohem Bogen in den Mülleimer. Das Endresultat waren ein paar sehr unansehnliche, nahezu hässliche Kekse, die aber auf wundersame Weise sehr lecker waren. :) Dieses Erlebnis liegt schon gut eineinhalb Jahre zurück. Ich habe seitdem nie wieder einen Spritzbeutel benutzt.

  • Liesel geht einkaufen

    Heute schreibe ich über eine lustige Begebenheiten, die ich mit meiner kleinen Hündin Liesel erlebt habe. Ich kann mir vorstellen, dass jeder Hundebesitzer beim Lesen dieses Blogs wissend mit dem Kopf nicken und an mancher Stelle lächeln wird. Ich hoffe aber auch, dass dieses kleine Erlebnis auch die Nicht-Hundebesitzer erfreuen wird. In regelmäßigen Abständen besuche ich ein Geschäft, in dem es alles zu kaufen gibt was Hund und Frauchen, bzw. Herrchen erfreut. In vielen Regalen türmen sich Dosen, bunt bedruckte Tüten mit Nass-, bzw. Trockenfutter und Nahrungsergänzungsmittel für den gesundheitsbewussten Hund. Verschiedene Spielzeuge, wie kleine weiche Stofftiere für den zierlichen Chihuahua bis hin zu Bällen in Melonengröße für die Dogge von Welt baumeln an den verschiedensten Wandhaken nebeneinander. Auf Bügeln hängen zahlreiche Bekleidungsstücke in unterschiedlichen Größen und Farben damit der 4-beinige Liebling für alle Wetterverhältnisse passend gekleidet ist. Leckerlies für Hunde aller Art häufen sich in einer Vielzahl an Körben in den Ecken. Ich betrete den kleinen Laden und begrüße die Ladenbesitzerin mit einem herzlichen „Hallo“. Im Schlepptau, mein kleiner Chihuahua-Mix Liesel. Mit ihren fünfeinhalb Kilo dem - weil mittlerweile nicht mehr ganz jung - fast weißen Fell und ihren braunen Knopfaugen erwärmt sie mit ihrer Erscheinung fast jedes Herz. Verzückte Laute und Ausrufe wie, „Ach Gott ist die süß!“ und ähnlichem sind wir schon seit langem gewohnt. Sie besitzt ein sanftes Wesen, verhält sich eher unterwürfig und leckt alles und jeden von oben bis unten ab. Auch sie kam vor langer Zeit über eine Tierschutzorganisation nach Deutschland. Umso verwunderlicher war es für uns alle, als wir ziemlich bald feststellen mussten, wie verfressen dieses kleine, unschuldig anmutende Tier doch ist. Wenn es darum geht irgendwie an Futter zu gelangen, entwickelt unsere Liesel einen ausgesprochenen Einfallsreichtum. Ganz anders als es ihr zartes Erscheinungsbild vermuten lässt, entwickelt sie immer wieder große List und Tücke, wenn es um das Erschleichen von Nahrungsmitteln geht, die ihr eigentlich nicht zustehen.   Mit Schrecken muss ich da an ein Erlebnis aus längst vergangenen Tagen denken. Es war in der Adventszeit, als ein Schrei die morgendliche Stille zerriss, den man wahrscheinlich in der ganzen Straße hören konnte. Kurz darauf ein Aufheulen und dann: „MAMA! DER BLÖDE HUND HAT MEINEN ADVENTSKALENDER GEFRESSEN!“ Als ich danach in die Küche eilte bot sich mir ein Bild des Schreckens. Auf dem Boden, der Adventskalender meiner Tochter, zerfetzt in tausend Einzelteilen. Eine heulende, völlig aufgelöste 7-Jährige und ein Hund, der absolut unschuldig dreinblickend in seinem Körbchen saß. Aber das Leben ging weiter... … die Spuren der nächtlichen Fressattacke wurden beseitigt, ein neuer Adventskalender wurde gekauft und die Erleichterung war groß, als feststand, dass es der verfressene kleine Hund ebenfalls überlebt hatte. Oder die Sache mit dem gelben Sack... aber das erzähle ich Euch ein anderes Mal... :) Ich betrete also mit Liesel zusammen das Geschäft für Hundebedarf und laufe suchend durch die Gänge. Liesel läuft unangeleint hinter mir her. An der Kasse angekommen stelle ich alle gekaufte Artikel auf der Ladentheke ab. Die Besitzerin tippt die einzelnen Beträge in die Kasse und ich ziehe bereits meinen Geldbeutel aus der Jackentasche. Sie nennt mir den Endpreis und ich will gerade einen Schein aus meinem Portemonnaie ziehen, als sie mich mit einer Handbewegung daran hindert. Sie schaut hinter mich auf den Boden und grinst: „Dazu kommen noch die Sachen, die ihr Hund eingekauft hat!“ Überrascht drehe ich mich um. Vor mir auf dem Boden liegen eine kleine Ansammlung an Kauknochen, Schweineohren und andere Leckerlis. Da hinter Liesel, auf den Hinterbeinen stehend mit der Nase bis zum Anschlag in einem weiteren Korb mit Trockenfutter herumwühlend, weitere Einkäufe tätigen. Mit zwei Schritten bin ich bei ihr und fische sie mit einer Handbewegung aus dem Korb. Mit hochrotem Kopf und dem Hund auf dem Arm wende ich mich wieder zur Besitzerin um. Doch die grinst nur und tippt eifrig weitere Beträge in die Kasse. „Ihr Hund hat einen exquisiten Geschmack!“, stellt sie dabei fest. „Wieso?“, frage ich verblüfft. „Das sind die teuersten Leckerlis im ganzen Laden!“

  • Eine blutige Angelegenheit

    … in gekrümmter Haltung sitze ich am Tisch - jeder einzelne Muskel in meinem Körper ist angespannt. Ich blinzele ein paar Mal, um zu verhindern, dass mir die Schweißperlen in die Augen laufen, die sich mittlerweile auf meiner Stirn gebildet haben. Mein Blick ist geschärft, die Atmung geht flach. Mit voller Konzentration richte ich meine Aufmerksamkeit auf den kleinen länglichen Gegenstand in meiner verkrampften Hand, den ich mir gegen meinen Zeigefinger presse. Die Zeit vergeht... aus Minuten werden Stunden. Mittlerweile plagen mich Hunger und Durst, aber ich verharre in meiner starren Haltung - unmöglich mich zu bewegen... Rückblick Das Telefon klingelt einmal, zweimal, beim dritten Mal hebt jemand ab: „Die Hausarztpraxis. Was kann ich für Sie tun?“. plärrt eine gestresst klingende, weibliche Stimme in den Hörer. „Einen wunderschönen Guten Morgen!“, betont freundlich versuche ich mein telefonisches Gegenüber milde zu stimmen. Nachdem ich keine Reaktion auf ein freundliches Entgegenkommen feststellen kann, beeile ich mich weiterzusprechen. „Ich wollte eigentlich NUR GANZ SCHNELL meine Blutwerte erfahren!“, teile ich der Dame am anderen Ende der Leitung mit und fühle mich auf unerklärliche Art und Weise irgendwie schuldig. „NAME?“, fragt die Dame schroff, während ich höre wie sie auf der Tastatur ihres PCs herumhackt. Es klingt, als würde sie dabei jede einzelne Taste mit ihren Fingern herausschlagen und ich beeile mich ihr meinen Namen zu nennen. „Sie haben einen stark erhöhten IgE-Wert!“, stellt sie knapp fest. „Und was heißt das?“, frage ich mutig, ziehe dabei aber unmerklich die Schultern etwas nach oben. „Wahrscheinlich eine Lebensmittelunverträglichkeit!“, erklärt mir die Dame in einem Ton, als müsste ich das eigentlich selbst wissen. Ein bisschen wie... „Was? Du weißt nicht was ein IgE- Wert ist? Das gehört aber schon zur Allgemeinbildung. Das solltest du eigentlich wissen! 6, setzen!“ Jetzt fühle ich mich irgendwie unwissend und beschämt beende ich das Gespräch schnell. Nachdem ich mein Krönchen wieder gerichtet und die Arzthelferin als blöde Kuh identifiziert habe, google ich ein bisschen im Internet und werde bald auf einen Screening-Test aufmerksam, ein Lebensmittelallergie-Test mit dem ich gleich über 44 Lebensmittelunverträglichkeiten auf einmal testen kann. „Prima!“, denke ich und bestelle sofort. Zwei Tage später kommt ein Päckchen mit der Post und erwartungsvoll reiße ich die kleine Kartonage an einer Seite auf und ziehe den Test daraus hervor. Dieser besteht aus einer Testkassette, einem kleinen Fläschchen mit einer klaren Flüssigkeit, einem Glasröhrchen, einem Alkoholtupfer und einer kleinen Lanzette, einer sogenannten Einstichhilfe. Mit gerunzelter Stirn betrachte ich das kleine, längliche Ding von allen Seiten. Auf der Oberseite befindet sich ein kleiner Knopf. In der Anleitung lese ich, dass die Einstichhilfe fest auf den Zeigefinger zu pressen ist, bevor man den Mechanismus auslöst. Schon bei dem Gedanken, dass ich mir eine messerscharfe Lanzette in meinen Finger rammen soll, erschaudere ich. Meine Tochter, die zufällig vorbeikommt bleibt hinter mir stehen und schaut mir neugierig über die Schulter. In drei Sekunden hat sie die Lage erfasst und grinst breit. „Hat da jemand Angst vor der spitzen Nadel?“ Empört schaue ich zu ihr hoch: „Das sagt ja genau die richtige! Wer hat den hier eine Spritzenphobie?“ Unbeeindruckt davon lässt sich meine Tochter neben mir auf den Stuhl fallen. „Komm' schon Mama! Ich gebe dir seelischen Beistand!“, spottet sie. „Hau ab!“, entgegne ich, während ich alles für den Test bereitstelle. „Mit dem Glasröhrchen soll dann der Tropfen Blut aufgefangen und in das Fläschchen mit der klaren Flüssigkeit geworfen werden!“, lese ich aus der Anleitung laut vor. „Na dann leg mal los!“, spornt mich meine Tochter an und ein süffisantes Grinsen breitet sich auf ihrem Gesicht aus. „Hast du nichts anderes zu tun?“, frage ich sie und werfe mit der kleinen Kartonage nach ihr. „Nö!“, antwortet diese und macht es sich auf ihrem Stuhl bequem. Ich säubere meinen Finger mit dem Alkoholtupfer, presse mir die Einstichhilfe an den Zeigefinger, kneife die Augen zusammen und.... Nichts! Ich kann es nicht! Meine Tochter lacht: „Soll ich mal?“ „Wie?“, frage ich erstaunt. „Du hast selbst Angst vor Spritzen, aber mir würdest du eiskalt eine Lanzette in den Finger rammen?“ „Ja!“, antwortet sie mir schlicht. „Das ist ja ungeheuerlich!“, stelle ich fest, drücke ihr aber gleichzeitig die Lanzette in die Hand und strecke ihr meinen Finger entgegen. Sie nimmt meine Hand, hält sie fest, drückt die Einstichhilfe an meine Haut. Ich drehe meinen Kopf zur Seite, um das bevorstehende blutige Massaker nicht sehen zu müssen und... „Stopp!“, schreie ich und ziehe meine Hand schnell wieder zurück. „Ich kann das nicht!“ Kopfschüttelnd gibt mir meine Tochter die Lanzette zurück. „Mama! Du bist wirklich verrückt!“ „Das mag sein!“, gebe ich kleinlaut zu und streiche mitfühlend und fürsorglich über meinen Zeigefinger. „Vor was hast du denn eigentlich so viel Angst?“, fragt sie mich. Ich muss kurz überlegen: „Was ist, wenn die Einstichhilfe eine Fehlkonstuktion ist und sich die Lanzette nach Aktivieren des Knopfes vollständig durch meinen Zeigefinger bohrt?“ Meine Tochter schaut mir lange in die Augen. Sie sagt keinen Ton! „Ist ja schon gut! Ich gebe zu, dass es eher unwahrscheinlich ist!“ Wieder halte ich mir die Lanzette an den Finger. „Jetzt mache ich es!“, sage ich im Brustton der Überzeugung. Zwei Stunden später... „Dranhalten, drücken!“, redet meine Tochter unablässig auf mich ein. Es klingt mittlerweile in meinen Ohren wie ein spirituelles Mantra, oder ein heiliges Gebet in Dauerschleife. Wir sitzen nebeneinander, haben die Köpfe aneinander gelehnt, halb in meditativer Stimmung versunken, wartend auf Erlösung... Durch Hunger und Durst geschwächt, werfe ich mit meiner, vom dauerhaften Festhalten der Lanzette, verkrampften Hand in einer fahrigen Bewegung das Fläschchen um und ein paar Tropfen der klaren Flüssigkeit landen auf dem Tisch. Mit einem Ruck richte ich mich kerzengerade auf. „Es reicht!“ Ich schnappe mir die Einstichhilfe, presse sie mir mit einer schwungvollen Bewegung an den Zeigefinger und ramme mir die Lanzette in die Haut. Ein Tropfen Blut quillt daraus hervor. Geschickt fange ich diesen mit dem Glasröhrchen ein und werfe alles in den bereitstehenden kleinen Behälter. Geschafft! „Und?“, fragt meine Tochter, aus ihrer meditativen Trance herausgerissen. „Hat überhaupt nicht wehgetan!“, stelle ich grinsend fest. Ist es Euch auch schon einmal so ergangen? Schreibt mir doch über das Kontaktformular, WhatsApp, oder die Kommentare. Ich freue mich auf Eure Geschichten :)

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